Horst Hirschler wird 80

Unruhegeist, genialer Prediger, Abt

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„Christsein als revolutionäre Existenz“? Abt Hirschler.

Hannover - Der frühere Landesbischof Horst Hirschler, eine der markantesten Persönlichkeiten Niedersachsens, wird am Mittwoch 80 Jahre alt. Bei ihm wird jeder Vortrag zur Predigt. Irgendwie immer. Weil er nicht anders kann.

Er kann es nicht lassen, weil er es einfach kann. Bei Horst Hirschler, dem Abt zu Loccum, wird jeder Vortrag zur Predigt. Irgendwie immer. Zu einer packenden Predigt, bei der die Zuhörer mit allen Sinnen in eine andere Welt gezogen werden. Hirschler redet sich selbst in eine Begeisterung herein, die bei anderen Begeisterung wecken kann. Vielleicht liegt es an der Konkretion, an der Anschaulichkeit seiner Worte, dass Hirschler gewiss einer der markantesten protestantischen Prediger Niedersachsens ist. Am Mittwoch wird der frühere hannoversche Landesbischof 80 Jahre alt - und am Freitag wird dies im Zisterzienserkloster Kloster Loccum, dessen Abt Hirschler ist, gebührend gewürdigt - mit einer gewiss packenden Predigt Hirschlers.

Das Kloster, als evangelisches Predigerseminar eine ökumenische Besonderheit, feiert in diesem Jahr sein 850-jähriges Bestehen. Und dass so viele Menschen an den entlegenen Ort am Rande des Weserberglandes strömen und zu Lesungen, hochwertigen Konzerten und Symposien in die frisch sanierte Klosterkirche kommen, hängt auch mit Hirschler zusammen, der unermüdlich für das Klosterjubiläum trommelte. Mehr als 150 000 Besucher werden es wohl am Ende sein. Eine schwere, sehr schwere Krankheit, die man ihm zeitweilig durchaus ansah, hat er einfach niedergekämpft.

Ohnehin ist er, der gelernte Elektriker, ein großer Kämpfer vor dem Herrn - was zuweilen auch seine Schattenseiten haben kann, wenn man gegen Hirschler kämpft. Homosexuelle Pfarrer in der Landeskirche haben es mit dem Landesbischof Hirschler nicht leicht gehabt. Und er nicht mit ihnen. Aber das ist Vergangenheit. Für seine Kirche, für das Evangelium, für „sein“ Kloster kämpft Horst Hirschler noch heute - Studiendirektoren, Bauarbeiter, Seminaristen, Oberlandeskirchenräte können davon berichten. „Man muss die Sachen anpacken, richtig anpacken. Wenn man das nicht richtig macht, dann geht das in den Teich“, sagt Hirschler selbst.

Sein Weg geht steil nach oben

Diese zupackende Art muss Hirschler schon als Jugendlicher gehabt haben. In Hildesheim absolviert er eine Lehre als Starkstromelektriker. Fürs „normale“ Gymnasium, das Schulgeld verlangt, reicht die Witwenrente der Mutter nicht. Hirschler, damals Halbwaise, macht das Abitur nebenbei an einem Abendgymnasium. Den großen Bombenangriff auf Hildesheim, der die früher schöne Stadt weitgehend dem Erdboden gleichmacht, erlebt er als Elfjähriger. „Den Brandgeruch habe ich noch heute in der Nase“, sagt er zuweilen in der Predigt - und man sieht das Zerstörungswerk geradezu vor sich.

Wer so konkret erzählen kann, macht auf sich aufmerksam. Schülerpastor in Hannover, Gemeindepastor in Lüneburg, Konventualstudiendirektor in Loccum, Landessuperintendent in Göttingen - steil geht Hirschlers Weg nach oben, der ganzen Theologengenerationen vorgegeben hat, wie man „konkret predigen“ kann. So heißt auch eines seiner Erfolgsbücher. 1988 wird er zum Landesbischof gewählt, bis zu seinem 66. Geburtstag blieb er in diesem Amt, bis ihn Margot Käßmann ablöste.

„Ein stabiles Land“ wünscht er sich zu seinem 80. Früher hat er sich mal eine Drehbank gewünscht, was in der Kirche, in der manche nur Wörter verdrehen können, zu Verwirrung führte. Er habe einmal „Christsein als revolutionäre Existenz“ beschrieben, meint Nachnachfolger Landesbischof Ralf Meister. Dies möge für sein Lebenswerk gelten. Aber Revolutionäre sind Äbte eigentlich nicht.

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