44 Bahnhöfe für 150 Millionen Euro

Unser Bahnhof soll schöner werden

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Das Gleis 2 am Barsinghäuser Bahnhof soll saniert werden. Dafür stellen Land und Bahn rund zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Hannover - Die Fahrstühle funktionieren nicht, die Unterführungen haben dringend einen Anstrich nötig, und die Bahnsteige müssen vielerorts auch modernisiert werden – in vielen Bahnhöfen in Niedersachsen besteht akuter Sanierungsbedarf. Für 150 Millionen Euro sollen bis 2025 nun 44 Bahnhöfe in Niedersachsen modernisiert werden.

In den vergangenen zehn Jahren wurden bereits 72 kleine und mittlere Stationen modernisiert.

Ministerpräsident Stephan Weil, Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fanden am Donnerstag viele lobende Worte über Bahn-Chef Rüdiger Grube. Weil nannte es „klug, dass Sie, Herr Grube, die Zusammenarbeit mit einer Landesregierung“ suchen. Wenzel zeigte sich „außerordentlich erfreut“ von dem gemeinsamen Gespräch und bezeichnete Grube als einen Bahnchef, der den Umweltschutz ernst nehme. Und Lies lobte Grubes „klares Bekenntnis zu Investitionen“.

Der Bahn-Chef war nach Hannover gekommen, um gemeinsam mit den Vertretern der Landesregierung den Personen- und Güterverkehr in Niedersachsen zu verbessern. „Niedersachsen ist am Zug“, hieß dann auch eisenbahnergerecht das Programm, mit dem die 44 Bahnhöfe zwischen Harz und Küste saniert und modernisiert werden sollen. Am Braunschweiger Hauptbahnhof etwa wird für rund 8,4 Millionen Euro an Mittelbahnsteigen gearbeitet, und nach Osnabrück fließen knapp 9,5 Millionen Euro, mit denen Bahnsteige und Dächer erneuert werden. Aber auch kleinere Stationen profitieren. So werden in Westerstede-Ocholt für mehr als sieben Millionen Euro Bahnsteige saniert, Aufzüge gebaut und die Unterführung erneuert. In Barsinghausen wird für knapp zwei Millionen Euro der Bahnsteig modernisiert.

Politik gegen das Auto

Weil betonte, dass Investitionen in den Schienenverkehr keine „Politik gegen das Auto bedeuten“. Mit den beschlossenen Baumaßnahmen solle es attraktiver werden, sich auf der Schiene von A nach B zu bewegen. Bahn-Chef Grube hob hervor, dass bereits jetzt
84 Prozent aller Bahnhöfe in Niedersachsen barrierefrei seien. Nach den Modernisierungen seien es dann 89 Prozent. Insgesamt investiere die Bahn in Niedersachsen bis Ende 2018 rund 2,3 Milliarden Euro, „dieses Jahr allein 472 Millionen Euro“, betonte Grube. Die Deutsche Bahn setze damit ihr Engagement in Niedersachsen konsequent fort.

Bei dem rund zweistündigen Gespräch ging es auch um den Güterverkehr. Unstrittig sei, dass die „Kapazitäten für den Hafenhinterlandverkehr im norddeutschen Raum deutlich erweitert“ werden müssten. Die Bahn kündigte an, den von Niedersachsen verlangten Ausbau der „Amerikalinie“ von Bremen nach Uelzen zu prüfen. Bahn und Land richteten eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein, die einen kostengünstigen und pragmatischen Ausbau der Strecke untersuchen soll. Niedersachsen pocht auf einen möglichst schnellen Ausbau der Regionalbahnstrecke, um die steigende Zahl von Güterzügen aus den norddeutschen Seehäfen bewältigen zu können.

Zudem lobte der Bahn-Chef das Dialogverfahren, das Wirtschaftsminister Olaf Lies zur Y-Trasse eingerichtet hat. „Wir starten vollkommen ergebnisoffen in die Gespräche im neuen Jahr und freuen uns auf den Dialog mit der Bevölkerung“, sagte Grube. Lies hatte am Mittwoch den externen Moderator des Dialogs vorgestellt. In dem mit bis zu 80 Personen besetzten Forum sollen die sieben alternativen Trassenverläufe, darunter die ursprüngliche Y-Trasse, geprüft werden. Lies hatte angekündigt, dass das Ergebnis der Gespräche für Bahn, Bund und Land verbindlich sei.

Beim von Volkswagen geforderten Ausbau der „Weddeler Schleife“, einer bislang einspurigen Strecke zwischen Weddel bei Braunschweig und Fallersleben, wurde vereinbart, gemeinsam mit dem Autokonzern und dem Bundeswirtschaftsministerium Gespräche zu führen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-FDP, Jörg Bode, mahnte gegenüber der HAZ an, dass hierbei nicht noch einmal die Notwendigkeit des Ausbaus der Strecke auf zwei Gleise hinterfragt werden dürfe. „Das wäre ein Schritt zurück“, sagte der Liberale.

Bei dem Gespräch ging es unter anderem auch um die Strecke Oldenburg–Wilhelmshaven. Zudem solle der Lärmschutz in Niedersachsen verbessert werden, kündigte Grube an.

Neue Verbindungen in Niedersachsens Bahnverkehr

Für den Fahrplanwechsel Mitte Dezember kündigte Bahnchef Rüdiger Grube gestern „Verbesserungen für den Zugverkehr in Niedersachsen“ an. Unter anderem ändert sich folgendes:

Zusätzliche Halte in Wolfsburg: Mit einer zusätzlichen IC- und ICE-Verbindung von montags bis freitags – morgens aus Berlin und Hannover nach Wolfsburg und abends zurück – können Pendler nach Aussage der Bahn ihren Arbeitstag zeitlich flexibler gestalten. Mittwochs und donnerstags hält je ein weiterer IC zum Feierabend in Wolfsburg.

Oldenburg bekommt mehr ICE-Anbindungen: Zukünftig werden in Oldenburg jede Woche mehr ICE am Bahnsteig stehen als bisher. Oldenburger, die während der Woche in Berlin oder München arbeiten oder dort unterwegs waren, können damit nun an allen Wochentagen schnell und ohne Umstieg nach Hause fahren. Ein ICE verlässt Berlin künftig täglich um 19.46 Uhr und erreicht Oldenburg um 23.19 Uhr.

Bundesgartenschau: Blumenfans können die Bundesgartenschau in Rathenow vom 18. April bis zum 11. Oktober 2015 alle zwei Stunden umsteigefrei per IC ab Hannover erreichen.

Neue Verbindungen von und nach Amsterdam: Für Reisende von und nach Amsterdam gibt es zum Fahrplanwechsel eine Umgestaltung des Angebots. Montag bis Sonnabend besteht ab Amsterdam (Abfahrt 5.02 Uhr) eine neue Frühverbindung nach Bad Bentheim (Ankunft 7.11 Uhr), Hannover (Ankunft 9.18 Uhr) und Berlin. Dafür wird die wenig nachgefragte Spätverbindung auf der gleichen Strecke mit Abfahrt um 19.01 Uhr in Amsterdam nach Bad Bentheim (Ankunft um 21.16 Uhr) montags bis sonnabends entfallen und künftig nur noch sonntagabends angeboten. Ab Bad Bentheim gibt es montags künftig eine zusätzliche Verbindung eine Stunde früher um 7.44 Uhr nach Amsterdam, die Fahrt sonntags um 8.44 Uhr ab Bad Bentheim nach Amsterdam hingegen entfällt.

Millionen für Bahnsteige

44 Bahnhöfe in Niedersachsen sollen innerhalb der nächsten zehn Jahre modernisiert werden. Vielfach werden Bahnsteige erneuert oder errichtet, Aufzüge eingebaut oder die Beleuchtung auf den neuesten Stand gebracht. Dies sind die Bahnhöfe, die von dem Programm profitieren, und die geschätzten Modernisierungskosten:

Adelebsen : 2,6 Millionen Euro Aschendorf : 3 Millionen Euro Augustfehn : 2,6 Millionen Euro Bad Bentheim : 4,6 Millionen Euro Bad Gandersheim : 2,7 Millionen Euro Bad Harzburg : 3,6 Millionen Euro Bad Sachsa : 1,2 Millionen Euro Barsinghausen : 1,9 Millionen Euro Bodenfelde : 4,7 Millionen Euro Bohmte : 3,1 Millionen Euro Börsum : 2,5 Millionen Euro Braunschweig Hauptbahnhof : 8,4 Millionen Euro Braunschweig-Gliesmarode : 2,2 Millionen Euro Bruchmühlen : 3,5 Millionen Euro Diepholz : 4,5 Millionen Euro Emmerthal: 4,2 Millionen Euro Gifhorn : 1,5 Millionen Euro Gifhorn-Stadt : 1,8 Millionen Euro Hasbergen : 3,4 Millionen Euro Hedemünden : 2,9 Millionen Euro Hildesheim Hauptbahnhof : 2,3 Millionen Euro Holzminden : 4,6 Millionen Euro Immensen-Arpke : 3,4 Millionen Euro Langelsheim : 3,8 Millionen Euro Lathen : 3,6 Millionen Euro Lemförde : 3,5 Millionen Euro Marienhafe : 3,1 Millionen Euro Maschen : 4,6 Millionen Euro Meckelfeld : 4,8 Millionen Euro Melle : 2,3 Millionen Euro) Munster (Örtze) : 2,7 Millionen Euro Natrup-Hagen : 1,3 Millionen Euro Oker : 3,1 Millionen Euro Osnabrück Hauptbahnhof : 9,4 Millionen Euro Rinteln : 2,2 Millionen Euro Salzbergen : 5 Millionen Euro Stadtoldendorf : 1 Million Euro Stelle : 4,7 Millionen Euro Varel (Oldenburg) : 600.000 Euro Visselhövede : 2,5 Millionen Euro Voldagsen : 2,1 Millionen Euro Westerhausen : 1,9 Millionen Euro Westerstede-Ocholt : 7,2 Millionen EuroWittingen : 2,5 Millionen Euro

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