Wolf Gerlach

Vater der Mainzelmännchen ist tot

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Die Mainzelmännchen waren nicht die einzigen Werke des Karikaturisten Wolf Gerlach.

Mainz - Ein Griff an die Mütze, ein höflicher Diener: Millionen von Fernsehzuschauern kennen und schätzen die Mainzelmännchen. Ihr „Vater“ Wolf Gerlach ist nun gestorben - mit 84 Jahren.

Sechs seiner „Söhne“ haben eine beispiellose TV-Karriere hingelegt, wenn er sie sehen wollte, musste er nur das Fernsehgerät einschalten: Wolf Gerlach, der „Vater“ der „Mainzelmännchen“. Den 50. Geburtstag seiner kleinen Spaßmacher im kommenden April kann der Grafiker leider nicht mehr miterleben. Er starb in der Nacht zum Montag im Alter von 84 Jahren in seiner niedersächsischen Wahlheimat Bad Zwischenahn.

Auch wenn Mainzelmännchen-Vater Wolf Gerlach rund 500 Kilometer von der Heimat seiner berühmten Fernsehkinder entfernt wohnte - er blieb ihnen immer nah. In seinem Haus in Bad Zwischenahn in Niedersachsen musste er schließlich nur den Fernseher einschalten, um die Spaßmacher aus Mainz über den Bildschirm toben zu sehen. Zwar war Gerlach schon seit langem im Ruhestand - „doch ich verfolge noch immer, was meine Nachfolger für Ideen bringen“, hatte der Zeichner kurz vor seinem 80. Geburtstag im Jahr 2008 gesagt.

Die munteren Mützenträger im ZDF-Werbefernsehen machten ihren Schöpfer berühmt. Als seine bis dahin anonymen Kinder auf Wunsch des Auftraggebers getauft werden sollten, „lieferte ich Namen von A bis F, die mir spontan einfielen“, erzählt Gerlach in einem Interview 2003. Das waren Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen.

In seinem Haus erinnerten noch alte Bücher, Gipsfiguren, Originalfolien und Bleistiftzeichnungen an die Sechserbande. Einen Liebling hatte er nicht: „Ich bin ein guter Vater, ich liebe meine Kinder alle gleich.“ Die Mainzelmännchen haben noch mehr Geschwister. Zu Gerlachs Schaffen gehören auch die WDR-Trickfilmcharaktere Ute, Schnute, Kasimir sowie Leo & Leo vom Bayerischen Rundfunk.

Gut die Hälfte seines Lebens verbringt der Zeichner Gerlach mit den Mainzer Spaßmachern. Als diese 2003 eine Verjüngungskur erhalten, zieht er sich endgültig zurück. Die moderne Version der Figuren stößt bei vielen Zuschauern zunächst auf Protest - bei Gerlach aber nicht. Er mochte seine lustigen Fernsehkinder, auch wenn die nun mit Handy statt Trompete auftreten: „Ich finde die jetzt sehr in Ordnung, meine waren schon sehr nostalgisch“, sagte er 2008.

Zeichnungen und Gemälde in seinem Atelier spiegelten die Stationen seiner Biografie wider - Bühnenbildner, Erfinder der Mainzelmännchen und Maler. Der im pommerschen Stolp geborene Gerlach wächst auf der Nordseeinsel Langeoog auf. Bereits als 19-Jähriger gibt er an einer Privatschule Kunstunterricht. „Für mich stand fest, dass ich Bühnenbildner werden will“, erinnerte er sich in einem Interview.

Sein erstes Engagement hatte er am Staatstheater Oldenburg. Als Chefbühnenbildner in Braunschweig wechselte er das Fach, wurde Anfang der 60er Jahre Filmarchitekt in Wiesbaden und dreht Werbefilme. Für das ZDF erfand Gerlach 1963 die sechs Maskottchen, damals noch alle mit Zipfelmützen. Nach seinem Rückzug vom Zeichentrick arbeitete der Künstler wieder als Maler. Seine stark abstrahierten Motive drehten sich meist um sein Lieblingsthema Mittelmeer. Gerlach liebte das Reisen und verbrachte viel Zeit mit seinen vier Kindern und seinen Enkelkinder.

dpa

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