Ilsede-Prozess

Vater soll wegen Mordes an seinen vier Kindern ins Gefängnis

+
Foto: Die Staatsanwaltschaft Hildeheim fordert 15 Jahre Haft für den Vater, der seine vier Kinder getötet hat.

Hildesheim - Warum bringt ein liebender Vater seine Söhne und die Tochter auf unvorstellbar grausame Weise um? Das Motiv des 37-Jährigen bleibt auch am vorletzten Prozesstag unklar. Die Staatsanwaltschaft fordert Gefängnis, die Verteidigung eine Unterbringung in der Psychiatrie.

Wegen Mordes an seinen vier Kindern soll ein 37 Jahre alter Familienvater aus Ilsede nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für 15 Jahre ins Gefängnis. Eine lebenslange Freiheitsstrafe komme nicht in Betracht, weil die Steuerungsfähigkeit des Mannes zur Tatzeit erheblich eingeschränkt gewesen sei, sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz am Mittwoch vor dem Landgericht Hildesheim. Er sei nur noch auf den erweiterten Selbstmord fokussiert gewesen. Bei verminderter Schuldfähigkeit wird die Strafe gemildert.

Der Angeklagte hatte gestanden, seine drei Söhne im Alter von fünf bis neun Jahren sowie die zwölfjährige Tochter mit einem Teppichmesser umgebracht zu haben, während sich seine Frau in Dänemark aufhielt. Sein anschließender Selbstmordversuch misslang. Hintergrund für die unfassbare Tat war, dass er ihre Trennung von ihm nicht akzeptieren konnte.

Die Frau ist Nebenklägerin in dem Prozess, sagt aber auf Anraten ihres Therapeuten nicht aus. Mittlerweile ist das Paar geschieden. Der Angeklagte ist derzeit in der Psychiatrie untergebracht.

„Warum sterben immer wieder kleine Kinder durch Gewaltexzesse ihre nächsten Verwandten?“, fragte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, dem viele Zuhörer mit Tränen in den Augen folgten. Nach Zeugenaussagen war der Angeklagte ein vorbildlicher Vater, der viel mit seinen Kindern unternahm und nie die Geduld verlor.

In der Tatnacht ging er jedoch „unvorstellbar brutal“ vor, wie Scholz sagte. Seinen schlafenden Söhnen fügte er in deren Kinderbetten tiefe Schnitte im Hals zu. Bei der Tochter, die wach war und ihm arglos entgegenkam, setzte er elfmal das Teppichmesser an. Ihr Todeskampf sprenge die Vorstellungskraft, sagte Scholz. Die getöteten Kinder legte der Vater nebeneinander ins Ehebett. Danach machte er in einer SMS und einem Abschiedsbrief seiner Frau schwere Vorwürfe.

Nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters war die Tat jedoch nicht in erster Linie ein Racheakt, um die Ehefrau für die Trennung zu bestrafen, sondern vom Wunsch geprägt, mit den Kindern im Tod auf ewig vereint zu sein. Der Gutachter stufte den Angeklagten aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur, seinen Depressionen und der extremen Suizidgefährdung als gefährlich ein. Es könne sein, dass er versuche, sich im Straßenverkehr umzubringen oder Brände lege. Die Ehefrau hatte auch von einer versuchten Vergewaltigung berichtet.

Die Verteidigung forderte eine Strafe im unteren Bereich des Strafrahmens von 3 bis 15 Jahren sowie die Unterbringung in der Psychiatrie. Die Nebenklage plädierte für eine Verurteilung wegen vierfachen Mordes mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie ebenfalls für eine Unterbringung in der Psychiatrie.

Nach den Plädoyers sagte der schmächtige Angeklagte mit leiser, brüchiger Stimme: „Die größte Strafe ist für mich, damit zu leben, dass ich meine Kinder so brutal umgebracht habe.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

1273634

Kommentare