Sieben Jahre Haft

Vater warf Tochter vom Balkon

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Der angeklagte vermummte sich im Gerichtssaal.

Rostock - Es grenzt an ein Wunder: Ein kleines Mädchen fällt von einem Balkon acht Meter in die Tiefe und überlebt leicht verletzt. Das Landgericht Rostock setzte am Montag den juristischen Schlusspunkt und verurteilte den Vater zu einer siebenjährigen Haftstrafe.

Für sieben Jahre muss ein 44-jähriger Mann ins Gefängnis, weil er seine dreijährige Tochter vom Balkon des dritten Stocks eines Rostocker Plattenbaus geworfen hat. Wie durch ein Wunder überlebte das Mädchen im Januar den Sturz aus acht Metern Höhe und erlitt lediglich Schürfwunden, Blutergüsse und Prellungen. Ein Baum hatte den Fall gebremst. Die Verteidigung des an Diabetes erkrankten Mannes hatte argumentiert, dass sich ihr Mandant wegen eines Zuckerschocks an nichts erinnern könne. Doch der Vorsitzende Richter am Landgericht Rostock stellte bei der Urteilsverkündung am Montag fest, dass der Vater für seine Tat voll verantwortlich ist und sich sehr wohl daran erinnern könne.

Der 44-Jährige lebte von der Mutter des Mädchens getrennt, hatte das Kind aber oft betreut. Warum es zu der Tat gekommen war, konnte während des Prozesses nicht geklärt werden - der Angeklagte selbst hatte sich nicht geäußert. Klar ist nach Ansicht des Gerichts nur, dass an jenem Januartag in der “äußerst ungepflegten und unaufgeräumten“ Wohnung laute Stimmen und Möbelrücken zu hören waren. Laut Nachbarn habe das Kind plötzlich gerufen: „Papa, nein, Papa, hör auf!“ Später habe der Mann, dessen Umgang mit der Tochter von den Nachbarn als liebevoll beschrieben wurde, die Balkontür geöffnet und das leicht bekleidete Kind vom Balkon geworfen, so der Richter.

Nicht nur der neben dem Haus stehende Baum habe dem Kind das Leben gerettet, sondern wohl auch der weiche Rasen, auf den das Mädchen fiel. Eine zufällig vorbeikommende Spaziergängerin hörte das Kind wimmern. Auf Nachfrage, wie es dahin komme, habe das am ganzen Körper zitternde Mädchen gesagt: „Papa hat mich vom Balkon geschmeißt.“ Nach Worten des Richters hat das dreijährige Kind den Vorfall ohne bleibende physische oder psychische Schäden überstanden.

dpa

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