Islamisten in Niedersachsen

Verfassungsschutz fürchtet Rückkehrer

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Foto: Junge Salafisten bei einer Kundgebung in Frankfurt am Main im September.

Hannover - Dem Verfassungsschutz in Niedersachsen macht die steigende Zahl von Islamisten Sorge, die nach Reisen in Krisenländer Deutschland zurückkommen. "Wenn sie zurückkehren, können sie gefährlich sein, wenn sie versuchen, andere zu rekrutieren", sagt Verfassungsschutz-Präsidentin Maren Brandenburger.

Dies geschehe unter anderem durch das Einstellen von Berichten und Videos in einschlägigen Internetforen. "Was wir bundesweit feststellen ist, dass die Zahl derjenigen, die von hier aufbrechen in die Krisengebiete deutlich gestiegen ist", sagt Brandenburger.

Aus Niedersachsen sei bekannt, dass sich einige wenige Personen an den von Salafisten organisierten Hilfskonvois beteiligen. Die meisten der Reisenden werden über die salafistische Szene rekrutiert. Auch wenn die Koranverteilaktionen der Salafisten etwa in Hannover für sich genommen harmlos seien, bestehe auch dort die Gefahr, dass sich junge Leute beeinflussen ließen. "Die Propaganda im Internet bereitet uns mehr Sorge", sagt Brandenburger. Das Problem sei, dass der politische Salafismus geistiger Wegbereiter für den militanten Salafismus sein könne. "Wir beobachten einen moderaten Anstieg beim Salafismus", meint die Verfassungsschutz-Chefin zur Lage in Niedersachsen. "Die Propaganda erreicht auch hier junge Leute, auch Konvertiten."

"Wir haben es mit einem starken Potenzial zu tun, das ist ein Feld, mit dem wir uns in Zukunft noch stärker auseinandersetzen müssen", sagt Brandenburger. "Das ist eine Entwicklung, die erst am Anfang steht."

Die Zahl der Muslime in Niedersachsen liegt bei etwa 200.000. Der Verfassungsschutz schätzt die Zahl der Anhänger islamistischer Gruppen in seinem letzten Bericht auf 3200, der weitaus größte Teil ist nicht gewaltbereit. Als problematisch stuft der Verfassungsschutz die Aktivitäten der radikalislamischen Salafisten ein. Ihre Zahl ist in Niedersachsen von 275 im Jahr 2011 auf 300 im vergangenen Jahr angestiegen, Schwerpunkte sind Hannover und Braunschweig.

Die Salafisten suchen neue Anhänger etwa über Koranverteilungen, wie es sie im vergangenen Jahr in Cloppenburg, Goslar, Hannover, Nordhorn, Osnabrück, Peine, Salzgitter und Wilhelmshaven gab. Eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Verbreitung des Salafismus' hat nach Einschätzung des Verfassungsschutzes auch die Islamschule des Braunschweiger Predigers Muhamad Ciftci. Einige Online-Schüler Cifticis sind mit radikalen Aussagen in Erscheinung getreten. Ein salafistisches Lehrangebot gibt es auch in einer Moschee in Hannover.

dpa

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