Munster

Verletzte bei Vernichtung von Chemiewaffen

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Der Unfall ereignete sich, als sie einen verunreinigten Behälter in einen Verbrennungsofen schieben wollten.

Munster - In der Heide werden Chemiewaffen vernichtet, seit vielen Jahrzehnten schon. Am 22. Oktober ist es dort zu einem Unfall gekommen. An Behältern mit Resten syrischer C-Waffen sollen Spuren von Senfgas gewesen sein.

Bei der Vernichtung von Reststoffen syrischer Chemiewaffen in Munster hat es einen Unfall mit drei Verletzten gegeben. Die Mitarbeiter der Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) erlitten Verätzungen durch Reste von Senfgas, als sie einen verunreinigten Behälter in einen Verbrennungsofen schieben wollten. Zu dem Unfall kam es bereits am 22. Oktober. Die Mitarbeiter seien durch Dämpfe verletzt worden, sagte Geka-Geschäftsführer Andreas Krüger am Freitag. Laut Vertrag hätten die Behälter gesäubert und völlig frei von Giftstoffen angeliefert werden müssen, hatte die "Böhme-Zeitung" in Soltau zuvor berichtet.

Für die Umgebung habe zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Verseuchung bestanden, betonte Krüger. Die betroffenen Angestellten wurden in einer Hamburger Spezialklinik untersucht. Sie seien noch krankgeschrieben, es gehe es ihnen aber bereits etwas besser. "Die Betroffenen haben Hautrötungen wie nach einem schweren Sonnenbrand", beschrieb Krüger die Verletzungen.

Zu dem Unfall sei es gekommen, als sich ein mit Fässern beladener Wagen in der Öffnung des Verbrennungsofens verkeilt hatte. Als die Arbeiter nachhelfen wollten, seien sie mit den Resten von Senfgas in Berührung gekommen. Seit dem Unfall dürfe in dem Bereich nur noch mit besonders sicheren Schutzanzügen gearbeitet werden. Der genaue Unfallhergang werde derzeit zusammen mit dem Gewerbeaufsichtsamt in Celle analysiert. Die bundeseigene Geka ist das derzeit einzige deutsche Unternehmen mit der Berechtigung zur systematischen Vernichtung von Chemiewaffen.

Auf dem Gelände im Heidekreis werden seit Anfang September Reststoffe von C-Waffen aus Syrien verbrannt. Die Substanzen kamen von einem US-Spezialschiff. Stark verdünnt wurden die Flüssigkeiten per Schiff und Lastwagen über Bremen nach Munster transportiert, insgesamt rund 370 Tonnen. Im März soll die Vernichtung der Substanzen aus Syrien beendet sein. Rund 30 Prozent sind bereits verbrannt.

Der Standort der Geka inmitten von großen Truppenübungsplätzen hat historische Gründe. In den beiden Weltkriegen wurde hier Giftgas produziert. Bei einer Explosion wurden 1919 weite Bereiche verseucht. Die Geka reinigt jedes Jahr rund 5000 Tonnen des kontaminierten Erdbodens. Die Bundesgesellschaft ohne kommerzielle Interessen untersteht dem Verteidigungsministerium und hat etwa 140 Mitarbeiter.

dpa

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