Westafrika in Angst

Verlieren die Helfer den Kampf gegen Ebola?

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Foto: Lybische Krankenschwestern in Schutzkleidung werden mit Desinfektionsmittel besprüht, nachdem sie die Leichen verstorbener Ebola-Patienten für die Beerdigung vorbereitet haben.

Monrovia/Freetown - Mehr als 700 Menschen sind in Westafrika bereits an Ebola gestorben. Gegenmaßnahmen scheinen nicht zu fruchten. Viele Menschen sind in Panik. Wie ist die Seuche noch aufzuhalten?

Trotz aller Bemühungen und Maßnahmen kommen die Behörden in Westafrika im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in der Region nicht voran. Die dramatischen Statistiken der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zeigen, dass die Zahl der Infiziertenweiter zunimmt – zuletzt besonders in Liberia, wo es innerhalb weniger Tage 80 neue Fälle gab. Kein Wunder, dass sich bei der Bevölkerung immer mehr Panik ausbreitet. Längst grassiert das Virus nicht nur in abgelegenen Landesteilen – auch die Hauptstädte sind betroffen.

„Wenn jemand derzeit nur den Namen 'Ebola' erwähnt, bekommen die Leute Angst“, sagt Winston Daryoue aus der liberianischen Metropole Monrovia. „Immer häufiger hören wir, dass Freunde und Bekannte sich angesteckt haben oder gar schon gestorben sind. Das ist wahnsinnig frustrierend.“

Das Virus hat die Menschen völlig unvorbereitet getroffen: Noch nie war dieser Teil des Kontinents von dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus betroffen – die Krankheit grassierte stets anderswo, im weit entfernten Kongo etwa, in Uganda oder im Sudan.

Viele Länder in Westafrika leiden noch unter den Nachwehen von blutigen Bürgerkriegen und schweren politischen Unruhen. Diese haben auch dieGesundheitssysteme zerstört. Trotz internationaler Unterstützung kann es dauern, bis solche Staaten in der Lage sind, angemessen auf Seuchen zu reagieren.

Augenzeugen berichten, dass die Bürger versuchen, sich durch das Tragen von Gummihandschuhen und dieBenutzung von Desinfektionsmitteln selbst zu schützen. Die Nachfrage sei so groß, dass die Geschäfte kaum noch Vorräte hätten, berichtete die Zeitung „Daily Observer“. „Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn die Leute auf der Straße plötzlich Handschuhe tragen, aber immerhin scheinen hier in Monrovia fast alle begriffen zu haben, wie ernst die Situation ist“, sagt Daryoue.

Das ist in abgeschiedenen Gebieten, wo die Menschen sich lieber auf traditionelle Heiler verlassen,ganz anders. „Trotz aller Aufklärungskampagnen bezweifeln hier viele immer noch, dass es die Krankheit überhaupt gibt“, berichtet Katherine Mueller, die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, nach einem mehrwöchigen Besuch in den Ebola-Gebieten von Sierra Leone. Deshalb gehöre es zu den Aufgaben der Helfer,auch den Heilern von dem Virus zu erzählen, damit sie dann ihre Patienten aufklären können.

„Zudem ist das Konzept einer Quarantäne für die Liberianer etwas völlig Fremdes. Sie verbinden es mit Gefangenschaft“, sagt Stephanie SalaMartu Duncan von der Organisation Liberians Against Ebola, einer Gruppe Freiwilliger, die die Behörden im Kampf gegen die Seuche unterstützt. „Hinzu kommt, dass die Leichen sofort entsorgt werden müssen, so dass die Angehörigen nicht auf traditionelle Weise trauern können.“

Einige Kliniken etwa in Monrovia sind inzwischen derart überlastet, dass sie bereits mögliche Ebola-Patienten abweisen. „Einer meinerBekannten, der sich seit zwei Tagen ständig erbrach und Blut im Urin hatte, wollte sich in einem Krankenhaus testen lassen“, erzählt eine Bürgerin aus Monrovia. „Aber ihm wurde gesagt, der zuständige Arzt sei nicht da. Also wurde er auf Malaria und Typhus getestet und dann mit einem Antibiotikum nach Hause geschickt.“

Das St. Joseph's Catholic Hospital könnte Berichten zufolge ganz geschlossen werden, nachdem sich dort zwei weitere Krankenhausmitarbeiter mit Ebola infiziert haben. Immer mehr medizinisches Personal ist betroffen. Nach Informationender Zeitung „Front Page Africa“ haben sich allein in Liberia 47 Ärzte und Pfleger mit dem Virus angesteckt. 28 sind bereits gestorben.

Guinea, Liberia und Sierra Leone tun ihre Bestes, um die Epidemie in den Griff zu bekommen – bisher aber ohne durchschlagenden Erfolg. Obwohl letztere beiden Länder sogar den Notstand ausgerufen und neue Maßnahmenpakete verabschiedet haben, steigt die Zahl Neuinfizierter unaufhörlich.

Für die Helfer ist die Arbeit mit den Totgeweihten hart. Ständig werden sie von der Angst begleitet, sich ebenfalls zu infizieren. Und auch die Bilder der Opfer prägen sich ein. Katherine Mueller etwa war in Kailahun in Sierra Leone an einem einzigen Tag bei vier Begräbnissen dabei. Die Toten waren zwischen 11 und 21 Jahre alt.

„Sie wurden auf einem neuen Friedhof für Ebola-Tote beigesetzt, ohne Familienangehörige, Freunde oder Priester“, erzählt sie. „In ihre letzte Ruhestätte wurden sie von einem Team Freiwilliger herabgelassen, die in ihren Schutzanzügen aussahen, als kämen sie aus einem Science-Fiction-Film.“

Von Carola Frentzen, dpa

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