Erstelldauer eines Passes

Die Vermessung der Bürokratie

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Kostet 30 Minuten: Wer einen neuen Reisepass benötigt, muss ein bisschen Zeit mitbringen.

- Bei der Eroberung Roms müssen Asterix und Obelix bekanntlich den Passierschein A38 besorgen, und sie geraten dabei in „das Haus, das Verrückte macht“. Wie lange dauert das nicht-fiktive Bestellen eines Passes? Statistiker rücken dem Staat auf die Pelle.

Dabei handelt es sich um eine ganz gewöhnliche Behörde, bei der man Anträge für Formulare am Schalter 1 bekommt, die Formulare selbst wiederum ein paar Stockwerke höher an einem anderen Schalter abgibt, der allerdings zufällig gerade geschlossen hat, weshalb man zurück muss zum Ausgangspunkt. Und so weiter. Das ist nicht nur bei der Eroberung Roms so, sondern bundesrepublikanischer Alltag. Häuser, die einen auf die beschriebene Weise verrückt machen können, gibt es viele.

Mithilfe der sogenannten Bürokratiekostenmessung rückt das Statistische Bundesamt dem Formularalltag auf die Pelle und ergründet auf die Minute, wie viel die eine oder andere staatliche Handreichung vom knappen Zeitbudget der Bundesbürger herunternimmt. Schon in drei Minuten zum Beispiel hat der Wähler seine Briefwahlunterlagen bestellt. Ein wenig länger, 14 Minuten, dauert es, wenn man zur Meisterprüfung in einem Handwerk zugelassen werden möchte. In einer halben Stunde sollte die Beantragung eines Reisepasses oder eines Personalausweises durch sein. Eine Geburtsanzeige geht mit einer Dreiviertelstunde schneller als die Anzeige eines Sterbefalls. Eine gute Stunde muss man da schon mitbringen.

Ein wenig skurril wird die Statistik, wenn es um bürokratische Vorgänge geht, die eher selten verlangt werden. Die Änderung des Vornamens bei einem Wechsel des Geschlechts zum Beispiel dauert geschlagene 685 Minuten, also mehr als elf Stunden – allein für das Ausfüllen aller notwendigen Anträge. Ja, geben die Statistiker zu bedenken, da brauche es eben einige Zeit für die Beschaffung von Unterlagen. Auch die Operation zum Wechsel des Geschlechts ist genehmigungspflichtig, hierfür müssen 834 Minuten einkalkuliert werden – eben ein schwerer Fall für die Bürokratie.

Asterix, der pfiffige Gallier, schützt sich vor dem Verrücktwerden dadurch, dass er rebelliert und die Beamten durch Sturheit seinerseits in den Wahnsinn treibt. Dauert nur ein paar Minuten.

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