Elisabethfehnkanal

Viel mehr als nur ein Kanal

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Der letzte schiffbare Fehnkanal Deutschlands stellt für Sportbootfahrer eine wichtige Verbindung im Nordwesten auf dem Weg in die Nordsee dar.

Elisabethfehn - Der Elisabethfehnkanal gilt im Emsland als einmalig. Seine Zukunft ist jedoch gefährdet, seitdem der Bund seine Zuschüsse einstellen will. Jetzt kämpfen Bürger für den Erhalt der Wasserstraße, die auch für eine Jachtwerft wichtig ist.

Bereits das vierte Boot für die Wasserschutzpolizei des Landes Hessen hat Alexander Siemer in diesem Frühjahr in der Halle seiner Jachtwerft auf Kiel gelegt. Der 34-jährige Tischlermeister und Bootsbauer hat sein Unternehmen vor 13 Jahren gegründet. Inzwischen beschäftigt er 15 Mitarbeiter, baut schnittige Polizeiboote für den Einsatz auf Donau, Main oder Rhein, auch für den Freistaat Bayern. Die Firma des jungen Unternehmers befindet sich allerdings an einem ungewöhnlichen Standort: Am Elisabethfehnkanal im Norden des Landkreises Cloppenburg, kurz vor der Grenze zu Ostfriesland. Hier vermutet kaum ein Schifffahrtsexperte eine Werft, die sich mit innovativen Konzepten am umkämpften Markt für Boote behauptet.

Alexander Siemer und seine kleine Werft sind auf den Kanal angewiesen. „Unsere Boote sind weltweit unterwegs. Da ist es für uns überlebenswichtig, dass der Kanal erhalten und schiffbar bleibt“, sagt der auf Expansion setzende Unternehmer. Doch weil der Kanal eine Bundeswasserstraße ist und der Bund jährlich Millionen Euro für die Unterhaltung des Gewässers durch sein Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) ausgeben muss, will das Bundesverkehrsministerium sich nach Möglichkeit vom Kanal trennen und die teure Trägerschaft dem Land Niedersachsen übergeben. Da spielt es keine Rolle, dass der Kanal in seiner Art einzigartig in ganz Europa ist und deshalb über ein Alleinstellungsmerkmal mit großem historischem Hintergrund verfügt.

Für die vielen Sportschiffer ist die Fahrt über den Kanal immer ein besonderes Erlebnis. Die letzte Schleuse vor der Einmündung in die Sagter Ems befindet sich in der Bauernschaft Osterhausen. Sie ist aus Holz gebaut, längst in die Jahre gekommen und immer wieder repariert worden. Nun ist sie so marode, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden muss. Der Landkreis Cloppenburg und sein Landrat Hans Eveslage wollen einen Teil der Kosten übernehmen. Den Rest muss der Bund schultern.

Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, kümmert sich um die Freigabe der benötigten Gelder aus Berlin. Mündlich zugesagt hat er vor Ort den Menschen am Kanal einen Zuschuss von rund 1,5 Millionen Euro. Das tat er im vergangenen Jahr, zwei Wochen vor der Bundestagswahl, als er die Jachtwerft Siemer besuchte. Ende Juni wird nun der Bundestag den Haushalt für 2014 verabschieden. Erst dann steht wirklich fest, ob Ferlemann seine Zusage einhalten kann.

Für die Wasserstraßen in ganz Deutschland will das Bundesverkehrsministerium rund 1,89 Milliarden Euro ausgeben. Walter Eberlei (54) stammt aus Elisabethfehn und vertritt als Sprecher die örtliche Bürgerinitiative zum Erhalt des Kanals. Eberlei setzt nun auf das Geld aus Berlin: „Wir benötigen nicht einmal ein Tausendstel dieser Summe, um den letzten schiffbaren Fehnkanal am Leben zu erhalten.“

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kennt das Thema sehr genau. Wiederholt hat er sich vor Ort informiert. Auch bei der Jachtwerft Siemer hat er vorbeigeschaut - im jüngsten Landtagswahlkampf. Werft-Chef Alexander Siemer erinnert sich gut an den letzten Besuch des Ministers: „Wir haben Herrn Lies unsere Situation verdeutlicht und ihm klargemacht, dass wir ohne eine Befahrbarkeit des Elisabethfehnkanals die Hälfte unserer Belegschaft entlassen müssten. Boote könnten nur noch beschwerlich über den Landweg die Werft verlassen oder zur Reparatur zu uns gebracht werden.“

Neidvoll schaut Walter Eberlei in die benachbarten Niederlande. Dort wird den Interessen der Sportschiffer und dem Erhalt der Fehnkultur ein größeres Augenmerk gewidmet. Ein neuer 15 Kilometer langer Kanal mit dem Namen „Veenvaart“ wurde gerade erst in Betrieb genommen. Im ersten Jahr durchfuhren 3000 Boote den Kanal. Für die drohende Schließung des Elisabethfehnkanals in Deutschland bringen die Initiatoren aus den Niederlanden kein Verständnis auf.

Eberlei geht es inzwischen nicht mehr nur um den Kanal und dessen Zukunft. Ihm liegen insgesamt die Region und die Fehnkultur am Herzen. Im Verein „Rettet den Elisabethfehnkanal“ möchte er in der grenzüberschreitenden Ems-Dollart-Region eine „Kulturlandschaft Fehnregion“ etablieren. Mit ihr könne man dann den Status eines Weltkulturerbes anstreben. Doch das ist ein Fernziel, sagt Eberlei.

Heinz Josef Laing

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