Alkoholiker im Kinderwunsch-Labor

Wie viele Kinder zeugte Sperma-Trickser Lippert?

+
Foto: Das Labor hatte Lippert trotz seiner kriminellen Vergangenheit 1988 als Techniker eingestellt.

Salt Lake City - Wie viele Kinder hat Thomas Lippert wirklich gezeugt?Auf Hunderte Sperma-Becher hatte der US-Labortechniker Zugriff. Ob er seine eigenen Proben absichtlich untermischte, bleibt ein Geheimnis. Die Universität will die Akte am liebsten schließen.

Der Fall um den mutmaßlichen Sperma-Trickser, der in seiner Zeit als Angestellter eines US-Labors für künstliche Befruchtung möglicherweise Hunderten Paaren seinen eigenen Samen unterschob, bleibt ein Rätsel.

Eine nun von der Universität Utah veröffentlichte Untersuchung konnte nicht klären, ob der mittlerweile verstorbene Lippert absichtlich Sperma-Proben vertauschte. In seiner Zeit als Mitarbeiter (1988-1993) hatten rund 1500 Paare das Labor RMTI aufgesucht, sie könnten betroffen sein.

Im Mittelpunkt steht die Familie Branum aus Utah, deren Leben einen dramatischen Wendepunkt nahm, als ein Gentest enthüllte, wer wirklich der biologische Vater von Tochter Annie ist. Nicht ihr Erzieher John, sondern der Labor-Mitarbeiter Lippert entpuppte sich als Erzeuger der heute 21-Jährigen. Es sei eine "emotionale Achterbahnfahrt" gewesen, sagte Mutter Pam, als der Fall im Januar Schlagzeilen machte. Die Familie forderte lückenlose Aufklärung.

Es sei nicht auszuschließen, dass Lippert in diesem Fall "absichtlich herumpfuschte", teilte die Hochschule mit. Weder Dokumente des heute geschlossenen Labors noch Zeugenbefragungen des mehr als zwei Jahrzehnte alten Falls könnten aufschlüsseln, wie es zum Tausch der Sperma-Proben gekommen sei. Da Lippert zwischen 1983 und 1993 selbst häufig spendete und seine Proben am RMTI verwendet und an andere Kliniken verschickt wurden, scheint auch eine Verwechslung möglich.

Auf Rat von Ärzten und Ethikern entschied sich die Hochschule nun, keinen Kontakt mit den rund 1500 Paaren aufzunehmen, die das Labor aufsuchten, als Lippert Angestellter war. Es sei nicht nur äußerst kompliziert, die Betroffenen heute zu kontaktieren. Die Nachricht, dass ihre Kinder möglicherweise Ergebnis eines absichtlichen Tausches seien, könne die Familien zudem emotional belasten, da eine künstliche Befruchtung nicht von allen Eltern thematisiert werde.

Zwar sei noch ein weiterer Verwechslungsfall aufgetaucht, an diesem sei Lippert aber nicht beteiligt gewesen. Familie Branum bezeichnete die Untersuchung in einer Stellungnahme als "oberflächlich, verzerrt und unvollständig", wie die Lokalzeitung "Salt Lake Tribune" berichtete. Da wichtige Zeugen aus jener Zeit nicht gehört worden seien, seien die Ergebnisse "äußerst fragwürdig". Die Universität entschuldigte sich für den emotionalen Stress.

Lippert, der 1993 nach Alkoholproblemen starb, war trotz krimineller Vergangenheit als Labortechniker eingestellt worden. 1975 hatte er eine Studentin gekidnappt, drei Wochen festgehalten und dafür später zwei Jahre hinter Gittern gesessen. Zuverlässigkeitsprüfungen seien damals an US-Kliniken aber nicht üblich gewesen, schrieb die Hochschule.

dpa

Kommentare