Urteil

Vier Jahre Haft für Todesschuss
 auf Mutter

Braunschweig - Ein 48-Jähriger ist am Donnerstag vom Landgericht Braunschweig wegen eines tödlichen Kopfschusses auf seine Mutter zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Motiv für eine vorsätzliche Tat habe man nicht gefunden.

Ein 48-Jähriger ist am Donnerstag vom Landgericht Braunschweig wegen eines tödlichen Kopfschusses auf seine Mutter zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die neun Jahre wegen Totschlags gefordert hatte, ging das Gericht bei dem Urteil von fahrlässiger Tötung aus. Ein Motiv für eine vorsätzliche Tat habe man nicht gefunden, sagte der Vorsitzende Richter Ralf-Michael Polomski.

Schon in ihrem Plädoyer war die Staatsanwaltschaft vom Mordvorwurf abgerückt und hatte neun Jahre Haft wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes gefordert. Sie machte 
geltend, der Angeklagte habe seine 77 Jahre alte Mutter mit einem gezielten Kopfschuss nach einem heftigen Streit getötet. Das Gericht dagegen sah, wie auch die Verteidigung, nur den Tatbestand der fahrlässigen Tötung als erwiesen an. Am Ende steht der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten. „Wir sind Ihrer Version gefolgt, weil Ihre Verzweiflung nach der Tat echt gewirkt hat“, sagte der Richter.

Bis zum Schluss hatte der als Waffennarr geltende Angeklagte behauptet, der tödliche Schuss habe sich bei der Reinigung und Kontrolle des Revolvers gelöst. Er habe vor dem Sofa der Mutter gesessen, die Waffe gesäubert, entladen und die Funktion des Revolvers getestet. Dabei habe sich aus Versehen ein Schuss gelöst. Das Gericht stellte zugunsten des Angeklagten fest, es habe anschließend keinerlei Verdeckungshandlungen gegeben, dafür aber eindeutige Versuche, die Mutter zu retten.

Der Richter sagte allerdings auch, wenn man die Geschehnisse betrachte, dann stünden einem die Haare zu Berge. Das Reinigen und Hantieren mit einer scharfen Waffe im Beisein von Personen und dann noch in alkoholisiertem Zustand sei ein erheblich pflichtwidriges Verhalten. Polomski sprach von einer „strafbaren Dummheit“

Holger Neddermeier

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