Kommunalwahlen

Vier Landtagsabgeordnete wollen wechseln

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Hannover - Vier Abgeordnete wollen den niedersächsischen Landtag verlassen und in die Kommunalpolitik wechseln. Sie suchen dort als Hauptamtliche neue Herausforderungen.

Die Entscheidung kam recht überraschend, kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist. Elke Twesten, Landtagsabgeordnete der Grünen aus dem Kreis Rotenburg, möchte am 25. Mai zur neuen Landrätin in Stade gewählt werden. Sie fordert den parteilosen Landrat Michael Roesberg heraus - und ärgert damit den SPD-Kandidaten Robert Crumbach, der eigentlich das rot-grüne Wählerreservoir bei sich versammeln wollte. Dass Twesten eine echte Chance hat, wird von Beobachtern bezweifelt. Immerhin: Sie zeigt den Willen, die Landes- gegen die Kommunalpolitik einzutauschen. Ein riskanter Schritt, aber: „Wenn Frauen nicht antreten, können sie auch nicht gewählt werden“, sagt die Abgeordnete.

Die Grünen-Politikerin steht mit ihren Ambitionen nicht allein. Vier Landesparlamentarier sind es, die in diesem Jahr kommunale Verwaltungschefs werden wollen. Merkwürdigerweise kommen alle aus dem rot-grünen Regierungslager. Von CDU und FDP will bisher niemand die Seiten wechseln, obwohl dies anders erwartet worden war. Zwar ging der CDU-Landtagsfraktion der Landesvorsitzende David McAllister verloren, doch er strebt zur europäischen Ebene, nicht in die Lokalpolitik.

Am 25. Mai hoffen zwei versierte rot-grüne Bildungspolitiker auf einen kommunalen Wahlsieg. Ina Korter (Grüne), bislang Vorsitzende des Kultusausschusses im Landtag, will Bürgermeisterin in Butjadingen werden, als „unabhängige Kandidatin“, die von SPD und Grünen getragen wird. Viele hat das überrascht, denn Korter gilt als eine der kenntnisreichsten Bildungspolitikerinnen im Landtag. Warum will sie das aufgeben? „Mit Gesamtschulen, Ganztagsschulen, Turbo-Abi und Inklusion sind die meisten großen Projekte schon auf den Weg gebracht“, sagt sie nach gut elf Jahren Zugehörigkeit zum Landtag. Nun reize sie die Arbeit „in der Heimat“ - und das heiße frischer Wind, Deich, Tourismus und Fischereihafen. Künftig wird sich Korter, falls sie gewählt wird, mit dem Neubauprojekt für einen Ferienpark herumplagen, nicht mehr mit den Details der Arbeit von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Bei Claus-Peter Poppe, dem schulpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, ist es ähnlich. Der 66-Jährige, seit 2011 ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Quakenbrück, peilt den Posten des hauptamtlichen Verwaltungschefs der Samtgemeinde Artland an. Der Ort im Kreis Osnabrück ist zwar keine SPD-Hochburg, doch die Partei konnte in den vergangenen Jahren hier ihre Position ausbauen. Warum tritt Poppe an? „In der Bildungspolitik im Landtag ist nun schon viel auf den Weg gebracht“, meint auch er. Wenn er Samtgemeindebürgermeister werde, bedeute das für ihn „die Abrundung meiner politischen Arbeit“.

Auch Jürgen Krogmann will den Landtag verlassen und hauptamtlich in die Kommunalpolitik gehen - als Oberbürgermeister in Oldenburg. Doch die Wahl dort ist erst im Herbst, nicht schon Ende Mai. Der 50-jährige SPD-Landtagsabgeordnete, der als Vertrauter von Wirtschaftsminister Olaf Lies gilt, hat durchaus eine Chance in der Stadt, wo derzeit ein von CDU und Grünen getragener parteiloser Oberbürgermeister amtiert. Bevor er 2008 in den Landtag gewählt wurde, war Krogmann schon 15 Jahre lang Stadtbediensteter. Der erhoffte Aufstieg würde für ihn eine Rückkehr sein.

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