Massenhafter Bienendiebstahl

Der Völkerklau

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Stade - Seit einigen Wochen werden im Alten Land massenhaft Bienenvölker gestohlen. Alleine während der Obstblüte hat die Polizei in Stade bereits 23 Fälle gezählt. Die Dieben wissen ganz genau, wo sie reiche Beute machen können und ein Ende ist nicht in Sicht.

Angefangen hätten die Diebstähle ungefähr an Ostern, sagt Nico Martens, der Vorsitzende des Kreis­imkerverbandes in Stade. „Seit wir in der Obstblüte sind, häuft sich das.“ Seitdem hat die Polizei in Stade 23 Fälle gezählt, in denen im Alten Land Bienenvölker gestohlen worden sind. Zuletzt sind vor wenigen Tagen aus einer Obstplantage in Jork zwei Bienenstöcke verschwunden.

Seit Wochen geht das nun schon so. Rainer Bohmbach von der Polizei in Stade spricht von einer „Serie von Bienenvolkdiebstählen“ im Alten Land, die nicht abreiße. Die Diebe wissen ganz genau, wo sie reiche Beute machen können. Entlang der Elbe ist die Obstblüte in vollem Gange, viele Imker bringen ihre Völker derzeit in die Gegend zwischen Stade und Hamburger Landesgrenze, wo besonders viele Obstbäume stehen. Die Obstbauern brauchen die Hilfe der Bienen. Sie bestäuben die Blüten. Ohne Bienen keine Ernte, insbesondere Kirschen und Pflaumen sind auf die Insekten angewiesen. Zwischen 3000 und 4000 Bienenvölker tun jedes Frühjahr ihr Werk im Alten Land.

Die aktuelle Diebstahlserie gefährdet daher die Obsternte insgesamt nicht nennenswert, obwohl es strukturell schon seit Jahren zu wenig Bienen in dem Obstanbaugebiet mit ungefähr 16 Millionen Bäumen gibt. „Aber in den einzelnen Betrieben, in denen die Bienen weg sind, kann das schon zu Problemen führen“, sagt Martens.

Die Polizei hat laut Bohmbach keine heiße Spur, kann nicht sagen, ob es sich bei den Dieben um eine organisierte Bande handelt oder um einzelne Täter. „In den vergangenen Jahren hatten wir das auch immer mal wieder, aber in diesem Jahr häuft sich das.“

Wie hoch der Schaden für die Imker ist, lässt sich schwer sagen. Im Alten Land geht die Polizei nach der aktuellen Diebstahlserie von derzeit etwa 18.000 Euro aus. Birgit Bonatz vonGaede & Glauerdt, ein auf Imker spezialisiertes Versicherungsunternehmen in Hamburg, beziffert den Wert eines Volkes auf 100 bis 500 Euro, je nachdem, ob es sich um einen Stamm im Garten eines Hobbyimkers handelt oder um wertvolle Zuchttiere. Die Zahl der gemeldeten Diebstähle schwanke von Jahr zu Jahr. „Mal ist sie höher, mal niedriger.“

Dieses Jahr ist eines der Jahre in denen bundesweit viele Bienenvolkdiebstähle in den Polizeiberichten auftauchen. In Niedersachsen sind Völker in den Gegenden um Oldenburg und Osnabrück abhandengekommen, in der Heide und im Wendland. Auch in der Region Hannover wurden dem Kreisimkerverband bereits Diebstähle gemeldet: In Kaltenweide und in Großburgwedel sind laut dem ersten Vorsitzenden Reinhold Hergemöller bei zwei Imkern insgesamt zehn Völker gestohlen worden.

Die Imker führen die gesteigerte Aktivität der Diebe auf einen Schädling zurück. Die Varroamilbe hat nach Angaben des Deutschen Imkerbundes zu hohen Winterverlusten von knapp 24 Prozent in Niedersachsen geführt. Vereinzelt gehen die Imker jedoch auch von Verlusten von bis zu 30 Prozent aus. Offenbar, so ist die verbreitete Meinung unter den Fachleuten, bestehlen sich die Imker untereinander, was immer dann vorkomme, wenn die Stämme knapp geworden sind. „Es sind ganz klar Leute, die mit der Imkerei zu tun haben“, sagt der Stader Imker Martens.

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