Einkaufszentrum in Riga eingestürzt

„Von allen Seiten brach alles zusammen“

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Foto: Nach dem Einsturz eines Einkaufszentrums in Riga werden nun die Opfer geborgen.

Riga - Rettungskräfte suchen in der Ruine eines eingestürzten Einkaufszentrums in Riga intensiv nach Überlebenden. Die Katastrophe ist das schwerste Unglück in Lettland seit der Unabhängigkeit 1991.

Mindestens acht Tote, 36 Verletzte und vermutlich mehr als 30 Vermisste unter den Trümmern - das ist die vorläufige Bilanz des Einsturzes des Dachs im Einkaufszentrum Maxima in der lettischen Hauptstadt Riga. Zahlreiche Helfer, darunter Dutzende Soldaten, suchten mit einem Großaufgebot nach Überlebenden. Viele Rettungswagen standen bereit. Die Rettungskräfte wollten die ganze Nacht hindurch arbeiten - doch sie wissen nicht einmal, wo die Opfer sind. Im Fernsehen waren geborstene Pfeiler und die Trümmer des Daches zu sehen, dahinter das Gemüsesortiment eines Supermarktes.

Die Angehörigen von Mitarbeitern und Kunden des Einkaufszentrums hofften verzweifelt auf ein Lebenszeichen der Vermissten. „Meine Mutter wollte in dem Geschäft Lebensmittel einkaufen gehen. Ihr Auto steht dort, aber das Telefon ist aus. Ich habe unzählige Male angerufen, aber keine Antwort“, sagte ein Mädchen im Fernsehen. Eine Kundin konnte sich in letzter Minute in Sicherheit bringen: „Gott sei Dank war ich fünf Schritte entfernt von der Ausgangstür“, schilderte die Frau ihre Erlebnisse. „Von allen Seiten brach alles zusammen - von der Decke, den Wänden.“ Die Behörden richteten Telefon-Hotlines ein.

Unter den Toten sind auch zwei Feuerwehrmänner, sieben weitere wurden bei dem Einsatz verletzt. Ein Sprecher des Rettungsdienstes sprach von einer sehr komplizierten und gefährlichen Rettungsaktion. Es sei nicht auszuschließen, dass noch stehende Teile des Gebäudes zusammenbrechen.

Das Dach des erst vor zwei Jahren gebauten Einkaufszentrums in einem Vorort der Stadt war am Donnerstagabend auf einer Fläche von insgesamt rund 500 Quadratmetern eingebrochen. Das Gebäude stürzte daraufhin ein „wie ein Kartenhaus“, sagte der stellvertretende Rigaer Bürgermeister Andris Ameriks.

Der lettische Regierungschef Valdis Dombrovskis eilte noch am Abend zum Unglücksort. Die Unfallursache war in der Nacht noch unbekannt. In Medienberichten war von einer Explosion die Rede, später wurden Bauarbeiten am Dach als Auslöser der Unglücks vermutet.

Rigas Bürgermeister Nils Usakovs wies die Behörden an, alle im Bau befindlichen Projekte des zuständigen Unternehmens zu überprüfen. Ameriks schloss Pfusch am Bau nicht aus. Das Einkaufszentrum ist üblicherweise abends gut besucht.

dpa

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