Gerichtsurteil

Waffennarr kommt in Haft

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Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei verlassen in Siegen den Einsatzort. Maschinengewehre, Handgranaten, Pistolen und reichlich Munition wurden gefunden.

Siegen - Ein Waffennarr aus Siegen löste einen Großeinsatz der Polizei aus. Er verschanzte sich in seiner Wohnung, mehrere Schüsse fielen. „Der einzige Geschädigte ist der Angeklagte selbst", sagte jetzt sein Anwalt. „Er hat sich um seine Freiheit gebracht."

Ein Waffennarr aus Siegen muss nach dem spektakulären Einsatz eines Sondereinsatzkommandos ins Gefängnis. Das Schöffengericht in Siegen sprach ihn am Freitag unter anderem wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz schuldig. Das Strafmaß lautet drei Jahre und drei Monaten Haft.

Der 28-Jährige hatte zwei Polizisten bedroht und entwaffnet und sich dann mit mehreren Maschinenpistolen, weiteren Schusswaffen, einer Handgranate und fast 2500 Schuss Munition stundenlang in seiner Mietwohnung verschanzt. Mehrfach schoss er in die Luft, um die Beamten auf Abstand zu halten. Schließlich gab er auf. "Das war ein Waffen- und Munitionsarsenal mit dem man einen Kleinkrieg führen könnte", sagte Staatsanwalt Manfred Lischek.

Der 28-Jährige, der als Einzelgänger gilt, begeistert sich seit seiner Bundeswehrzeit für Waffen, wie er vor Gericht sagte. „Meine Liebe galt der Kalaschnikow." Den Großteil der Waffen habe er als Dekostücke bekommen und selbst wieder scharf gemacht.

Der Mann, der als Auto-Gebrauchtteile-Verkäufer arbeitet, sollte im April an seiner Arbeitsstelle von Polizisten befragt werden. Er stand im Verdacht, 60 Schuss Munition verkauft zu haben. Als die Beamten sich an der Arbeitsstelle auswiesen, zog der 28-Jährige eine Pistole. Die Polizisten gingen in Deckung und zogen ihre Waffen.

Sie hielten den Mann für äußerst gefährlich: „Er ging sehr ruhig und souverän mit der Waffe um. Ich habe zweimal seinen Kopf im Visier gehabt. Aber ich wusste, der erste Schuss muss tödlich sein, sonst könnte es ein Blutbad geben", sagte einer der beiden Beamten. Denn in dem Verkaufsraum waren noch Mitarbeiter, Kunden und auch eine Frau mit einem Kind.

„Dass die Situation nicht eskalierte, liegt am besonnenen Verhalten der Beamten", sagte auch der Anwalt des Mannes. Der 28-Jährige flüchtete dann von der Arbeitsstelle in seine Wohnung, raffte seine Pistolen und Gewehre zusammen und wollte weiter fliehen. „Da war die Polizei schon da, und ich habe eine Salve in die Luft abgegeben, um sie auf Abstand zu halten", sagte er vor Gericht.

Stunden später ließ sich der Siegener festnehmen. Verletzt worden war bei dem Einsatz niemand. „Der einzige Geschädigte ist der Angeklagte selbst", sagte sein Anwalt. „Er hat sich um seine Freiheit gebracht."

dpa

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