Zukunftskonzept

Wanka will Kultur in die Dörfer bringen

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Foto: Ministerin Wanka möchte Kulturangebote auf dem Land fördern.

Hannover - Das Land Niedersachsen arbeitet an einem Zukunftskonzept für die Kultur. Dabei gehe es nicht darum, Mittel zu kürzen, betonte die zuständige Ministerin Johanna Wanka.

Dörfer bluten aus, Städte werden bunter: Der Wandel in der Bevölkerung wird sich aus Sicht von Kulturministerin Johanna Wanka auch auf die Kulturlandschaft auswirken. „Ich finde, es ist notwendig darüber nachzudenken, wie Kultur in Niedersachsen in 10 oder 20 Jahren aussehen soll. Aufgrund der demografischen Entwicklung sind Veränderungen notwendig“, sagte die CDU-Politikerin.

Wanka sprach sich für neue Wege aus, um Menschen in abgelegenen Regionen wie etwa im Harz Teilhabe an Kultur zu ermöglichen. „Es gibt ja schon Bibliotheksbusse. Vielleicht gibt es in Zukunft Bibliotheken, die Bücher schicken, wie ein Versandhaus. Denkbar wären auch Busse mit einem Rundum-Angebot der Verwaltung, so dass ich Bücher ausleihen und mein Auto anmelden kann“, sagte sie.

Wichtig seien Kulturangebote auf dem Land vor allem für ältere Menschen. Die drohten zu vereinsamen. „Die demografische Entwicklung wird zum Beispiel die freien Theater stärken, die in die Orte kommen und für die Leute spielen. Amateurtheater ist generationsübergreifend und vermag Menschen zu verbinden.“

Das Land erarbeitet derzeit in Tagungen und Regionalkonferenzen ein Kulturentwicklungskonzept. Basis ist der erste niedersächsische Kulturbericht, der von nun an alle zwei Jahre erscheint. Damit werde die Kulturförderung transparenter, erklärte die Ministerin.

Flexible Kulturangebote

Erarbeitet wird auch, wie zum Beispiel Migranten oder bildungsferne Bevölkerungsgruppen besser angesprochen werden können. „Die Interessen sind unterschiedlich. So haben wir in einer Untersuchung erfahren, dass türkische Migranten kulturell sehr interessiert sind, allerdings eher an der informellen Musikszene, die jüdische Gemeinde ist dagegen vom Theater begeistert.“

Angesichts knapper Kassen in Städten und Gemeinden sieht Wanka in Niedersachsen keine Theater oder Museen gefährdet. „Es ist ein gestiegenes Bewusstsein für Kultur in den Kommunen bemerkbar“, betonte sie. „In Deutschland sind rund 90 Prozent aller Kulturausgaben staatlich, und das soll auch so bleiben.“

Wünschenswert sei daneben der Einsatz von Privatleuten und Unternehmen. „In Niedersachsen haben wir die glückliche Situation, dass wir eine hohe Stiftungsdichte haben.“ So werde vieles möglich, das allein staatlich nicht zu finanzieren wäre. „Kultur auf dem Land lässt sich nur mit ehrenamtlichem Engagement leisten“, hob Wanka hervor.

dpa/mhu

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