Wintersport

Warmes Wetter quält Tourismusbranche im Harz

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Braunlage - Mit Millionenaufwand ist auf Niedersachsens höchstem Berg ein modernes Wintersportgebiet gebaut worden. Es soll für Aufschwung im Oberharz sorgen. Doch das warme Wetter macht den Touristikern rund um den Wurmberg einen Strich durch die Rechnung.

Kein Schnee, keine Einnahmen. Für die Lift- und Seilbahnbetreiber im Harz ist dieser Winter bisher eine einzige Enttäuschung. Selbst am Wurmberg bei Braunlage hat es noch keinen einzigen Skitag gegeben. Dabei waren im Sommer auf dem mit 971 Metern höchsten Berg Niedersachsens für rund zwölf Millionen Euro neue Pisten und Lifte gebaut worden. Beschneiungsanlagen sollten für Schneesicherheit sorgen. „Wir werden mehr als 100 Skitage im Winter haben“, hatte Investor Dirk Nüsse vollmundig prognostiziert.

„Stattdessen ist es jetzt so gekommen wie befürchtet“, sagt Friedhart Knolle vom Naturschutzverband BUND. Umweltschützer hatten sich nachdrücklich gegen den Ausbau des Skigebietes ausgesprochen - wegen des Naturverbrauchs und weil es in den Mittelgebirgen wegen des Klimawandels ohnehin zu warm für Wintersport sei.In Braunlage will man sich die Hoffnung auf bessere Zeiten, die die Investitionen am Wurmberg mit sich bringen sollen, aber nicht nehmen lassen. „Hier herrscht noch kein Alarm“, sagt Bürgermeister Stefan Grote (SPD). „Mit den Investitionen im Skigebiet sind wir auf dem richtigen Weg, auch wenn es derzeit wärmer ist als für die Jahreszeit normal.“

„Der Winter hätte besser anfangen können“, räumt Tourismus-Chef Christian Klamt ein. Von Krisenstimmung will aber auch er nichts wissen. Das Weihnachts- und Neujahrsgeschäft sei gut gewesen - auch ohne Schnee. Und die weiße Pracht werde man ja nun bald produzieren können.

Das hofft auch Seilbahnbetreiber Nüsse. Natürlicher Schnee ist vorerst zwar nicht zu erwarten. „Wenn die Voraussagen zutreffen, wird es in der kommenden Woche aber kalt genug, damit wir endlich die Pisten beschneien können.“ Es müsse nur 72 Stunden einige Grade unter Null bleiben. „Dann können wir so viel Kunstschnee machen, dass man auf allen Pisten am Wurmberg fahren kann.“

Wären die mehr als 100 neuen Schneelanzen rechtzeitig einsatzbereit gewesen, hätte die Skisaison in Braunlage nach Nüsses Worten eigentlich schon Anfang Dezember beginnen können. Als es Ende November für mehrere Tage kalt genug fürs Beschneien war, gab es aber technische Schwierigkeiten. Diese Probleme seien jetzt aber behoben.

„Wenn wir in der kommenden Woche die Grundbeschneiung auf den Pisten haben, hält der Schnee für lange Zeit“, ist sich Tourismus-Chef Klamt sicher. Von einer Fehlinvestition könne jedenfalls keine Rede sein.

Die für diesen Samstag in Braunlage geplante große Ski-Party wird allerdings noch ohne Skifahren stattfinden. Eine Woche später, am 18. Januar, soll es dann endlich so weit sein. „Dann wird die Saison im ganzen Skigebiet am Wurmberg eröffnet“, verspricht Nüsse. Ob die aktuelle Saison ein finanzieller Fehlschlag wird, sei trotz der Probleme mit dem Wetter noch offen, sagt Nüsse. „Wenn erstmal Schnee auf den Pisten liegt, wird er bis zum Ende der Osterferien Mitte April halten. Erst dann wird abgerechnet.“

lni/ska

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