Angestellte Lehrer im Tarifstreit

Warnstreiks beeinträchtigten Unterricht

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Foto: Angestellte Lehrer haben in Hannover für bessere Arbeitsbedingungen protestiert.

Hannover/Bremen - Niedersachsens angestellte Lehrer ließen im aktuellen Tarifstreit mit Warnstreiks und Kundgebungen ihre Muskeln spielen. Die Gewerkschaften wollen 5,5 Prozent mehr Gehalt, die Tarifkommission der Länder dagegen will die Renten kürzen. Die Betroffenen reagierten empört.

Mit Trommeln, Pfeifen und Protestplakaten gegen den Stillstand bei den Tarifgesprächen: In Niedersachsen und Bremen haben angestellte Lehrer, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen am Dienstag lautstark ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen wollten die Gewerkschaften Verdi und GEWso die Arbeitgeber zum Einlenken bewegen. Nach GEW-Angaben waren rund 50 Schulen in der Region Hannover, Göttingen, Osterode, Osnabrück, Oldenburg und Braunschweig von Warnstreiks betroffen. Eine davon war war die Wilhelm-Schade-Schule in Hannover.

„Von insgesamt etwa 60 Mitarbeitern fehlen 15“, sagte Schulleiterin Iris Makowka-Scharf und ergänzte: „Neun streiken, sechs haben die Grippe.“ Als Konsequenz der angespannten Personallage gab es für gut 80 Schüler statt bis 14.35 Uhr nur bis 12.45 Uhr Unterricht. Betroffen waren hauptsächlich Förderschulen, aber auch Integrierte Gesamt- und berufsbildende Schulen. An der Heinrich-Böll-Schule in Göttingen war der Betrieb weitgehend lahmgelegt. Dafür war vor dem Gebäude der Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung umso mehr los. Alle angestellten Mitarbeiter waren im Warnstreik.

„Die Kolleginnen und Kollegen sind sauer“, sagte Personalrat Bernd Brombacher. „Das liegt daran, dass die meisten pädagogischen Mitarbeiter an Förderschulen 80 Prozent Zwangs-Teilzeit machen müssen.“ Trotzdem werde volle Leistung erwartet. „Das ist einkalkuliert und geht in der Schule auch kaum anders.“ Unmut errege vor allem, dass die öffentlichen Arbeitgeber nun statt eines Angebots zur Tariferhöhung auch noch die ohnehin geringere Rente kürzen wollten. Die meisten Eltern hatten nach Angaben von Schulleiterin Claudia Gunkel-Mann auf den angekündigten Warnstreik reagiert.

Sie behielten ihre Kinder zu Hause. Die etwa 35 Jungen und Mädchen, die trotzdem gekommen waren, wurden von den verbeamteten Lehrern betreut. Ein ähnliches Bild zeichnete der Lehrer Hans-Jürgen Glapa von der Wartberg-Schule in Osterode, der in Hannover an einer zentralen Kundgebung teilnahm. „Wir haben insgesamt 121 Kollegen, von denen 80 heute Dienst hätten; 25 von denen sind hier“, sagte er. Der Rest seien verbeamtete Pädagogen. „Da findet heute kein Unterricht, sondern nur noch Betreuung statt“, erklärte Glapa, während seine Kollegen mit Trommeln und Plakaten wie „Bananenrepublik stoppen“ oder „Geiz ist ungeil“ in Hannover Stimmung für ihr Anliegen machten.

Ein ähnliches Bild gab es bei der Selma-Lagerlöf-Schule im Großraum Hannover. Von 55 Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern waren 12 im Streik. Der Streik war seit einer Woche bekannt, Schulleiter Jochen de Vries hatte die Eltern benachrichtigt. Von 88 Schülern war daher nur ein Viertel erschienen. Eine Notbetreuung sorgte für einen normalen Unterrichtsablauf. De Vries: „Die Bezahlung der pädagogischen Mitarbeiter ist unterirdisch, gemessen an dem gesellschaftlichen Auftrag, den Erzieher leisten sollen.“

Die Gewerkschaft ver.di rief zudem im Raum Braunschweig Mitarbeiter der Landkreise, Straßenmeistereien, Hochschulen und der Sozialämter zu Warnstreiks auf. Im Zentrum der Stadt beteiligten sich rund 150 Demonstranten an einem Protestzug, bei dem sie lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam machten. In Bremen versammelten sich nach Angaben des GEW-Landesvorstandssprechers Christian Gloede am Morgen etwa 50 Streikende im Gewerkschaftshaus. „Auch Schulsekretärinnen und Auszubildende beteiligten sich an der GEW-Aktion“, sagte ein Verdi-Sprecher. Im kleinsten Bundesland gibt es bis zu 800 angestellte Lehrer. Zudem waren Verwaltungsangestellte der Schulen und einer Behörde zum Warnstreik aufgerufen.

In Niedersachsen unterrichten zwölf Prozent der Lehrer als Angestellte - die restlichen sind Beamte und dürfen nicht streiken.

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