Teure Prüfung

Wattführerschein sorgt für Ärger

Foto: Wattführer Ralf Hofmann-Kramer hält seinen Dienstausweis in die Höhe. Gästeführer müssen seit kurzem eine teure Prüfung ablegen.

Cuxhaven - Ein neuer Wattführerschein sorgt in Cuxhaven für Verärgerung: Gästeführer müssen seit kurzem eine teure Prüfung ablegen. Obwohl es viel Kritik an den neuen Vorgaben gibt, will das Innenministerium in Hannover nicht einlenken.

Im Urlaub an der Nordseeküste gehört ein Wattspaziergang fast schon zum Pflichtprogramm. Doch eine neue Verordnung stößt bei den Wattführern zwischen Dorum und Cuxhaven jetzt auf Unverständnis. Um künftig Gruppen das Wattenmeer zeigen zu dürfen, müssen die Gästeführer eine Prüfung bei der Nationalparkverwaltung ablegen. Die soll 500 Euro kosten - teuer und überflüssig, finden die Wattführer.

Die Vorgaben stammen aus dem niedersächsischen Innenministerium in Hannover. Dort wird die Prüfung mit dem Hinweis verteidigt, das Wattenmeer berge "erhebliche Gefahren". Es sei daher erforderlich, den Besuchergruppen ortskundige und qualifizierte Führer zur Seite zu stellen, sagt Ministeriumssprecherin Tanja Rißland. In Ostfriesland sei ein solcher Wattführerschein schon lange Standard. Im Wesentlichen bestehe in beiden Gebieten die gleiche Gefährdungslage, betont die Sprecherin.

Bislang keine heiklen Situationen

Ralf Hofmann-Kramer, der seit rund 20 Jahren Gäste ins Cuxhavener Watt führt, sieht das anders. "Wir haben hier drei Rettungsstationen, Priggenwege, die das Fahrwasser abgrenzen, Radarüberwachung zwischen Sahlenburg und der Insel Neuwerk, Rettungsfahrzeuge und -baken", sagt Hofmann-Kramer. "Das gibt es in Ostfriesland in der Form nicht." Hauptberuflich arbeitet er auf der Rettungsstation in Duhnen. Er kann sich an keine brenzlige Situation erinnern, bei der ein Führer beteiligt war. "Es gibt nur mal Probleme mit Gästen, die allein unterwegs sind und sich nicht auskennen", sagt Hofmann-Kramer.

Dass er und seine neun meist langjährigen Mitarbeiter nun so behandelt würden wie Anfänger, kann er nicht nachvollziehen. Die Verordnung kritisiert er als "unausgegoren und wenig durchdacht". Zwar gibt es eine Übergangsfrist, in der noch keine Prüfung nachgewiesen werden muss, doch die gilt nur bis Ende des Jahres.

Finanzielle Sorgen

Auch der Cuxhavener Bau- und Umweltdezernent Martin Adamski ist unglücklich über die seit 1. September in Kraft getretene Verordnung; vor allem weil für strandnahe Führungen parallel zur Küste keine Sonderregelung vorgesehen ist. Von März bis Oktober bietet das örtliche Wattenmeer-Besucherzentrum zahlreiche solcher Exkursionen für Schulklassen an. Betreut werden sie von Praktikanten - meist sind es Studenten. "Es gab noch nie Zwischenfälle", sagt Adamski. Für die zehn Praktikanten im Jahr den sechs Jahre gültigen Wattführerschein zu bezahlen, sei nicht zu leisten. Denn die meisten blieben nur wenige Monate. Feste Mitarbeiter einzusetzen, würde dazu führen, dass die günstigen Schulführungen verteuert werden müssten. Auch könnten nicht mehr so viele Exkursionen angeboten werden.

Bislang wurden 20 000 Schüler pro Saison ins Watt gebracht. Vor demselben Problem steht Frauke Kruggel. Sie ist Leiterin des "Blauen Klassenzimmers", bei dem ebenfalls Praktikanten Schulklassen und Kindergärten das Watt zeigen. Das Projekt wurde 2003 von der Niedersächsischen Umweltstiftung ausgezeichnet. "Wir gehen maximal 800 Meter ins Watt, in Sichtweite der Rettungsstation", betont Kruggel. Eine aufwändige Sicherheitsausbildung samt Prüfung hält sie deshalb schlicht für überflüssig, ebenso wie das Mitnehmen eines Rucksacks mit Rettungsleine, Notsignal und Kompass. Sie hofft auf ein Einlenken im Ministerium. Das wird es aber offenbar nicht geben. Aus Gründen der Gleichberechtigung werde generell auf Ausnahmeregelungen verzichtet, sagt Ministeriumssprecherin Rißland. Gäste könnten auch in unmittelbarer Küstennähe in Schlickfelder oder ähnliches einsinken. "Eine Befreiung ist dann nur noch mit fachkundlicher Hilfe möglich", meint die Sprecherin. Wer gegen die Verordnung verstoße, dem drohe eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro.

dpa

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