Zeugnisse prominenter Niedersachsen

Von wegen Musterschüler

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Diese sechs Promis waren auch nicht immer mustergültige Schüler.

Hannover - Zeugnisse sind wichtig, um die Lernentwicklung von Schülern abzubilden – aber man sollte sie auch nicht zu ernst nehmen. Diese sechs Niedersachsen waren auch nicht immer mustergültige Schüler und haben es trotzdem weit gebracht.

Miserabel oder mustergültig, Problem- oder Spitzenschüler? Wenn rund eine Million Schüler in Niedersachsen und Bremen kurz vor dem Start in die Sommerferien ihre Zeugnisse erhalten, steht bei vielen nicht nur Jubel an. Schlechte Noten trüben die Urlaubsfreude – müssen aber auf lange Sicht nicht automatisch eine Karrierebremse sein. Das beweisen die Lebensläufe heute erfolgreicher Politiker und Wirtschaftsbosse im Lande.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) denkt bis heute an den Eintrag seines Französischlehrers, den er mit seinen Sprachkenntnissen offenbar kaum beeindrucken konnte. Meyer: „Der gab es mir damals schriftlich: ,Grande catastrophe‘!“ Drogerieunternehmer Dirk Roßmann sieht sich selbst als eine Art Spätstarter. „Ich war nur auf der Grundschule – früher sagte man Volksschule; nach einem halben Jahr in der 5. Klasse der Mittelschule sagten die Lehrer meiner Mutter, dass ich auf die Volksschule zurück müsse“, erinnert sich der 68-jährige Chef der Drogeriemarktkette aus Burgwedel. Sein Talent zeigte sich dann erst später.

Ministerpräsident Weil war „zu lebhaft"

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) glänzte zunächst kaum durch Traumnoten. „Bis zur 11. Klasse waren meine Zeugnisse eher mäßig, dann ist der Knoten geplatzt“, erinnert sich der Ministerpräsident. „In der Mittelstufe war ich noch deutlich schlechter als in der Oberstufe. Bei ‚Verhalten‘ stand bei mir in der Schule oft: ‚zu lebhaft‘“, so der SPD-Politiker in der Rückschau.

Wenig Begeisterung löst der Blick zurück auf die Schulzeit auch beim Klubchef von Hannover 96 aus. „Ich habe schlechte Erinnerungen an meine Zeugnisse, ich habe die Schule als Last und Krampf empfunden“, erklärt der Unternehmer Martin Kind. „Bis zum Abitur war das eine Belastung für mich – erst danach konnte ich mich entfalten und kreativ entwickeln.“ Das war bei seinem Kollegen Klaus Allofs anders: „Ich habe nur gute Erinnerungen. Meine Eltern waren auch immer zufrieden“, sagt der Sportchef vom VfL Wolfsburg.

Mustergültig waren auch die Zeugnisse der obersten Chefin von Niedersachsens Lehrern, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt – meistens jedenfalls. „In der Grundschule hatte ich viele gute Noten auf meinen Zeugnissen, am Gymnasium hat sich das dann etwas relativiert“, sagt die SPD-Politikerin, der die Opposition gerade im Landtag symbolisch ein „Hausaufgabenheft“ mit kritischen Anmerkungen überreichte. Anders als ihrem Minister-Kollegen Meyer haben ihr Fremdsprachen stets viel Spaß gemacht. „Am liebsten war ich aber in der Sporthalle – auch außerhalb des Sportunterrichts; ich habe damals mit großer Begeisterung Handball gespielt.“

Noten sind nur Zwischenbilanzen

Dabei sagen Noten nur wenig über den späteren Lebensweg eines Menschen aus, das bestätigen auch Pädagogen. Sie sind eher ein Spiegel des jeweiligen Lernzustands – eine Art Zwischenbilanz auf dem Weg zu neuen Zielen. Mit Hinweis auf seine eigene Karriere macht daher auch der Gründer und Chef der Drogeriemarktkette Rossmann Schülern mit mäßigen Zeugnisnoten Mut: „Es ist doch irgendwie ermutigend, dass in Deutschland jemand Erfolg haben kann, auch wenn dessen intellektuelle Begabung überschaubar ist“, meint Dirk Roßmann und ergänzt: „Mit 14 Jahren las ich Arthur Schopenhauer und bilde mir heute ein, ihn ganz gut verstanden zu haben.“

Der Unternehmer zog dann schließlich auch seine eigenen Konsequenzen: Über die Deutsche Beteiligungs-AG engagiert sich der erfolgreiche Konzernlenker bei einem Nachhilfe-Unternehmen.

Von Ralf Krüger

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