Celler Residenzschloss

Der Weg der Welfen an die Macht

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Verhinderter Kurfürst: Der Celler Herzog Georg Wilhelm hätte wohl gern selbst Karriere gemacht – stattdessen ebnete er seinen Verwandten aus Hannover den Weg zum Thron.

Celle - Die Ausstellung im Celler Residenzschloss: In „Reif für die Insel“ geht es um die Vorgeschichte der Personalunion; um die Frage, wie die Welfen auf den Londoner Thron kommen konnten.

Die Forscher haben das riesige Gemälde bisher kaum beachtet - dabei hängt es sonst unübersehbar im Lüneburger Landgericht: Es zeigt den Celler Herzog Georg Wilhelm; den goldglänzenden Rahmen ziert ein angedeuteter Kurhut. Dabei wurde nicht Georg Wilhelm, sondern sein Bruder Ernst August in Hannover 1692 zum Kurfürsten erhoben. Georg Wilhelm wollte wohl signalisieren, dass eigentlich er als Senior des verzweigten Welfenhauses Anspruch auf die Rangerhöhung gehabt hätte.

Den Ausstellungsteil im Celler Schloss eröffnet am Sonntag Ministerpräsident Stephan Weil im Rahmen des Internationalen Museumstages. In „Reif für die Insel“ geht es um die Vorgeschichte der Personalunion; um die Frage, wie die Welfen auf den Londoner Thron kommen konnten. Und dabei spielte Celle eine wichtige Rolle: Herzog Georg Wilhelm, der verhinderte Kurfürst, war ein väterlicher Freund des englischen Königs Wilhelm III., der in Celle auch zu Gast war. Für ihn wurde eigens eine Suite im Schloss eingerichtet. Als Leihgabe der Queen ist dort jetzt ein Hosenbandorden zu sehen, wie ihn der Herzog von seinem königlichen Freund verliehen bekam. In Celle - damals ein diplomatischer Hotspot - verhandelten Welfen und Briten beim „Celler Conseil“ 1701 auch über die englische Thronfolge. Hannovers Kurfürstin Sophie - eine Büste aus der National Portrait Gallery in London zeigt sie in der Blüte ihrer Jahre - spielte dabei eine Schlüsselrolle.

Mit Büchern und Dokumenten, Waffen und Gemälden zeichnet die Schau den Aufstieg der Welfen nach. Silberpokale - sie gehörten zwischenzeitlich dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent - illustrieren den Reichtum, den die verschiedenen Welfenzweige dem Silberbergbau im gemeinsam verwalteten Harz verdankten. Und sie zeigen, dass die Hofkultur in Celle und Hannover einst europäischen Rang hatte.

Residenzmuseum im Celler Schloss: „Reif für die Insel“. Infos: (0 51 41) 123 73.

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