Goldreliquen des Braunschweiger Doms

Welfenschatz: Deutschland vor US-Gericht verklagt

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Die Erben jüdischer Kunsthändler verklagen Deutschland vor einem US-Gericht auf die Herausgabe des millionenschweren Welfenschatzes.

Berlin - Die Erben jüdischer Kunsthändler verklagen Deutschland vor einem US-Gericht auf die Herausgabe des millionenschweren Welfenschatzes. Die Goldreliquien aus dem Braunschweiger Dom seien 1935 unter dem Druck der Nazis verkauft worden, sie stünden deshalb den Erben der damaligen Besitzer zu, so ein Anwalt.

Der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, er habe die Klage beim Bundesgericht in Columbia eingereicht. Mit beklagt sei die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in deren Obhut sich die Goldreliquien befinden. Die Kläger schätzen den Wert auf 260 Millionen Euro.

In der Klageschrift heißt es, 1935 hätten die damaligen Eigentümer des Welfenschatzes, vier jüdische Kunsthändler, die Sammlung unter dem Druck der Nazis weit unter Wert verkaufen müssen. Das Geschäft sei damit widerrechtlich und nichtig.

"Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen", heißt es in dem Schriftsatz. Er wurde am Dienstagauch bei einer kurzfristig einberufenenPressekonferenz in Berlin zur Verfügung gestellt.

Sowohl die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als auch die sogenannte Limbach-Kommission hattendagegen nach langer Prüfung erklärt,es gebe keine Hinweise auf NS-Raubkunst.

dpa

Was ist der Welfenschatz?

Der sogenannte Welfenschatz ist eineSammlung aus mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten und anderem Kunsthandwerk, das zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert entstand. Anfang Februar 2015 wurde der Schatz in das Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter aufgenommen und darf damit nicht mehr ohne weiteres ausgeführt werden.

Beim Welfenschatz handelte sich einst um den Kirchenschatz der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig. Er umfasste ursprünglich vermutlich 138 Stücke. Darunter ist auch ein kostbares Kuppelreliquiar von 1175, ein Behältnis für Reliquien in Form einer Kreuzkuppelkirche. Der Wert des gesamten Welfenschatzes auf dem Kunstmarkt wird heute mit knapp 400 Millionen Euro beziffert.

Seit dem 17. Jahrhundert gehörte der Schatz dem Welfenhaus. In der Weimarer Republik versuchten die Herzöge, den Schatz zu Geld zu machen, zunächst ohne Erfolg. 1929, kurz vor dem Börsenkrach, übernahm ein Konsortium jüdischer Kunsthändler 82 Einzelexponate für 7,5 Millionen Reichsmark. Deren Verkaufsbemühungen zogen sich über mehrere Jahre hin, 40 Stücke wurden schließlich an verschiedene Museen und Privatleute vor allem in den USA veräußert.

1935 kaufte der Preußische Staat, Träger der Berliner Museen, die verbliebenen 42 Teile des Schatzes für 4,25 Millionen Reichmark. Zwei weitere Objekte wurden wenig später hinzugekauft.

Ausgestellt war der Welfenschatz im Schlossmuseum. Im Krieg wurde er ausgelagert und kehrte in den 1950er Jahren mit Gründung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach Berlin zurück. Heute ist der Welfenschatz im Kunstgewerbemuseums zu sehen.

2008 machten die vor allem in den USA lebenden Erben der ehemaligen Eigentümer des Händler-Konsortiums Rückgabeansprüche geltend. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der das Kunstgewerbemuseum gehört, lehnte dies ab. Die von beiden Seiten angerufene Kommission unter Leitung der früheren Bundesverfassungsrichterin Jutta Limbach wies im vergangenen Jahr die Ansprüche der Erben-Gemeinschaft zurück. Mit der Eintragung in das Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter am 6. Februar kann der Welfenschatz oder Teile davon nur noch mit einer Sondergenehmigung der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ins Ausland ausgeführt werden.

epd

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