Reaktionen auf Anschläge

Weltweite Bestürzung über "barbarisches Verbrechen" von Boston

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Foto: Barack Obama sprach den Betroffenen und ihren Familien kurz nach den Anschlägen sein Beileid aus.

Hannover - Die Bombenanschläge von Boston, bei denen drei Menschen getötet und mehr als Hundert weitere verletzt wurden, hat weltweit für Bestürzung gesorgt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des weltweiten Anti-Terror-Kampfs.

Als eine der ersten sprach Angela Merkel ihre Bestürzung über die Anschläge in Boston aus. "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen derjenigen, die durch diese schreckliche Tat ihr Leben verloren haben", erklärte Merkel am Dienstag in Berlin. "Meine Gedanken sind bei den vielen Verletzten, denen ich alle guten Wünsche schicke." Nichts rechtfertige einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hätten, betonte die Regierungschefin. "Ich hoffe, dass der oder die Schuldigen dafür bald zur Rechenschaft gezogen werden können."

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hat die Bombenanschläge scharf verurteilt. "Die brutalen und hinterhältigen Bombenanschläge von Boston haben uns alle tief getroffen. Die tragischen Bilder machen uns fassungslos", sagte Steinmeier in Berlin. "Friedliche Menschen sind Opfer von sinnloser und kaltblütiger Gewalt geworden." Das Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Opfer und die Solidarität dem ganzen amerikanischen Volk. "Wer auch immer die Täter waren - ihr Tun war feige und verabscheuungswürdig", betonte Steinmeier. Er hoffe, dass die Täter schnell gefasst und zur Verantwortung gezogen werden.

"Sinnlose Gewalt"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin schrieb nach Kremlangaben in einem Beileidstelegramm an US-Präsident Barack Obama: Der Kampf gegen den Terrorismus erfordere eine "aktive Koordination der Anstrengungen der ganzen Welt". Putin bot demnach auch an, die US-Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Russen waren von dem Anschlag mit 3 Toten und mehr als 100 Verletzten nach offiziellen Angaben aus Moskau nicht betroffen. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und der britische Premierminister David Cameron reagierten schockiert.

Schock und Mitgefühl in Internet-Netzwerken

Sekunden nach den Detonationen in Boston kursierten auf Twitter, Facebook und Instagram Augenzeugenberichte, Fotos und Videos vom Tatort. In den Netzwerken waren aber nicht nur schockierende Bilder zu sehen, sondern auch bewegende Reaktionen der Bevölkerung.

Fotos und Videos vom 78 Jahre alten Marathonläufer Bill Iffring, der auf der Zielgeraden von der Wucht der Explosion von den Füßen gerissen wird, gaben den schrecklichen Ereignissen schnell ein menschliches Gesicht. Vor allem das Bild des Fotografen John Tlumacki vom "BostonGlobe", das Iffring zusammen mit drei Polizisten in Panik zeigt, wird in dieser Nacht unzählige Male auf Twitter und Facebook verbreitet. Auch ein Video der Plattform Vine, das den Sturz von Iffring einfängt, verbreitet sich viral durchs Netz.

Die Webserver des "Boston Globe" konnten den Ansturm des Interesses aus aller Welt dann nicht länger bewältigen. Die Journalisten des "Globe" versuchten, ihre Leser über die sozialen Netzwerke zu informieren. Auf Twitter verkündet die Bostoner Polizei, dass zwei Todesopfer zu beklagen sind. Später muss diese Zahl auf drei erhöht werden.

Suche nach Angehörigen via Twitter

Spätestens als über Twitter eine weitere Explosion in einer Bibliothek bekanntwird, kommt es auch im Netzwerk zu panikartigen Szenen. Wiederholt sich hier gerade ein breit angelegter Angriff wie beim 11. September? Immer wieder wird dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Und als sich herausstellt, dass in der Bibliothek nur im Technikraum ein Feuer ausgebrochen war, beruhigen sich viele Twitter-User wieder. Drei Stunden nach der Explosion stellte Google einen Suchdienst für die vermissten Personen online. Beim "Person Finder" kann jedermann Informationen zu Teilnehmern oder Besuchern des Laufs eingeben wie den Gesundheitszustand oder den Aufenthaltsort. Mit einer einfachen Suchmaske lassen sich diese Daten dann von besorgten Freunden oder Familienmitgliedern abrufen.

Die Solidarität mit den Betroffenen kam auch in einer weiteren bewegenden Aktion im Netz zum Ausdruck. Über das öffentlich zugängliche Google-Doc "I have a place to offer" boten viele Einheimische ihr Zuhause zum Übernachten an, wenn sich jemand in den kommenden Tagen um einen verletzten Angehörigen oder Freund in Boston kümmern muss.

dpa/rtr/mic

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