Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Weniger Schüler, weniger Busse

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Keiner da: Vor allem auf dem Land gibt es nicht genug Fahrgäste für rentablen Betrieb.

Hannover - Weil die Schülerzahlen zurückgehen, könnten im ländlichen Raum Busunternehmen in den kommenden Jahren in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, warnt der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerd Will. Hier müsse rasch gegengesteuert werden.

In vielen ländlichen Gegenden finanziert sich der öffentliche Nahverkehr zu großen Teilen über die Schülerbeförderung, die vom Land Niedersachsen mit jährlich 85 Millionen Euro subventioniert wird. „Eine ganze Reihe von Dienstleistern in der Fläche haben 70 bis 80 Prozent ihres Geschäfts auf die Schülerbeförderung ausgerichtet“, sagt Will. In der Praxis sehe das dann oft so aus, dass die Busse nur morgens und mittags fahren, um Schüler über die Dörfer zu transportieren. Zu anderen Zeiten und auf anderen Strecken gebe es dagegen nur ein sehr dünnes Angebot.

Der Effekt ist, dass die Busse vormittags stark ausgelastet sind und wirtschaftlich fahren, nachmittags dagegen fast leer bleiben. Um die Ausgaben zu sparen, konzentrieren sich die Unternehmen auf die Schulfahrten, machen sich damit aber auch sehr stark abhängig von den Subventionsmitteln des Landes.

Doch die Schülerzahlen gehen zurück: Gab es 1980 landesweit noch über eine Million Schüler, waren es 2011 nur noch knapp 900 000. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl von derzeit 850 000 auf voraussichtlich 763 000 fallen. Das werde Folgen für die Unternehmen haben, warnt Will: „Dann laufen die Busse leer oder halb voll, haben aber die gleichen Kosten. Wenn man nichts macht, dann werden eine ganze Reihe von Dienstleistern in der Fläche in existenzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.“

Will und die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Susanne Menge, fordern daher einen Umbau der Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. So soll aus dem Ausgleichssystem, das im Personenbeförderungsgesetz geregelt werde, nicht mehr das einzelne Schülerticket subventioniert, sondern ein Mobilitätsnetz aufgebaut werden. „Wir müssen ein Grundgerüst finanzieren, in dem Fahrkilometer von Bussen finanziert werden, egal wie viele befördert werden“, meint Will. Außerdem seien Kommunen und Dienstleister gefragt, beim Tarifsystem Kreativität zu zeigen. So müsste es verbilligte Tickets für Zeiten schwacher Auslastung geben.

Als Vorbild für ein solches Verkehrssystem nennt Menge Sachsen-Anhalt: Das sei aufgebaut wie ein Spinnennetz, um eine Grundversorgung sicherzustellen. Neben den Hauptlinien könne jede Kommune selber entscheiden, wie sie das Angebot ergänzen wolle, etwa durch Fahrräder oder Carsharing. Hier werde in Zukunft der ehrenamtliche Bürgerbus eine Rolle spielen, ist sich Will sicher. „Das spielt bereits jetzt eine wichtige Rolle“, sagt der Verkehrsexperte.

Die 85 Millionen Euro, die das Land derzeit in das Ausgleichssystem stecke, würden für die Finanzierung nicht ausreichen, meint Menge: „Da braucht man mit Sicherheit mehr.“ Das werde aber erst feststehen, wenn ein entsprechendes Konzept vorliege.

Von Heiko Randermann

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