Mangelhafte Dokumentation

Wenzel rügt Mängel bei Castor-Sicherheit

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ARCHIV - Ein Castorbehälter wird am 08.11.2010 in Dannenberg (Niedersachsen) verladen. In Niedersachsen dürfen 58 Castorbehälter mit radioaktivem Inhalt vorerst nicht mehr bewegt werden. Foto: Kay Nietfeld dpa (zu lni „Niedersachsen verfügt Transportverbot für 58 Castor-Behälter“ vom 10.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Hannover - Die Stabilität der Transporthaken von Castor-Atommüllbehältern steht in Zweifel. Hintergrund ist eine mangelhafte Dokumentation. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) zückt erst einmal die rote Karte für die Behälter.

Landesumweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat bei den Castorbehältern, in denen hochgefährlicher Atommüll aufbewahrt wird, „Defizite bei der Sicherheitsphilosophie“ bemängelt. So steht nach seiner Ansicht die Stabilität der Transporthaken an den mehr als 100 Tonnen schweren Castoren in Zweifel, weil Mängel in der Dokumentation der Qualitätsprüfungen bestünden. Davon seien bundesweit 315 Castorbehälter betroffen, von denen 58 in Niedersachsen lagerten: zwölf am Atomkraftwerk Unterweser, sechs am Atomkraftwerk Grohnde, zwölf im Emsland und 28 im Zwischenlager Gorleben. „Ich erwarte von jedem Betreiber jetzt eine Stellungnahme zum sicherheitstechnischen Handlungsbedarf. Die Castoren dürfen bis auf Weiteres nicht bewegt werden“, sagte Wenzel auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Freitag.

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres eine Art Rückrufaktion bei 44 Atombehältern gestartet, weil die Prüfung von Teilen der Behälter nicht ordnungsgemäß dokumentiert worden war. In den Castoren werden abgebrannte Brennelemente aufbewahrt, meist neben den Atomkraftwerken. Sie unterliegen allerhöchsten Sicherheitsbestimmungen. Bei vier der damals im Atomkraftwerk Unterweserbeanstandeten Castoren bestand das Problem, dass sie bereits beladen waren. Deshalb konnten die Tragzapfen, deren Qualitätsprüfungen nicht ordentlich dokumentiert waren, an den Behältern nicht einfach ausgetauscht werden wie an den unbeladenen Castoren.

Nach Auskunft der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die die Castoren herstellt, hat Wenzel vor 14 Tagen erfahren, dass von dem Tragzapfenproblem nicht nur 44 Castoren betroffen sind, sondern bundesweit 315. „Das Problem ist seit dem Herbst bekannt, wir haben auf einer Routinesitzung über den neuesten Stand informiert“, sagt GNS-Sprecher Michael Köbl. Bereits im Herbst seien 44 Castoren gesperrt worden, daraufhin seien die Fertigungsdokumentationen aller bisher produzierten Castorbehälter durchgesehen worden, berichtet Köbl: „Das waren über 1100.“ Man habe aber aus dem Gesamtproduktionsprozess überhaupt keine Mängel festgestellt, auch nicht bei den ausgetauschten und durch neue ersetzten Tragzapfen. „Es handelt sich im Wesentlichen um Dokumentationsmängel“, sagte der GNS-Sprecher. Um das Problem zu lösen, gebe es mehrere Möglichkeiten: „Das Einfachste wäre es, neue Nachweise auf Papier zu bringen, letzte Möglichkeit wäre der Austausch der Zapfen an den beladenen Castoren.“ Dieses wäre aber die „Ultima Ratio“, da der Austausch immer mit einer gewissen Strahlenbelastung einherginge. Der von Wenzel erwähnte Transportstopp habe im Augenblick keine Konsequenzen.

Wenzel sagte, es sei noch nicht klar, ob es einen Mangel in der Fertigung gegeben habe oder nur einen Dokumentationsmangel. Das Bundesumweltministerium geht nicht von einer Sicherheitsgefährdung aus, da der Tragzapfen jederzeit ausgetauscht werden könne.

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