Mehr Dialog gefordert

Wenzel warnt vor Panik beim Wolf

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Hannover - Meldungen über Wölfe in Wohnsiedlungen haben manchen in Niedersachsen aufschrecken lassen. Mit mehr Aufklärung über das geschützte Tier will Minister Wenzel Sorgen nehmen. Am Ende hat aber die Sicherheit der Menschen Vorrang, betont er.

Nach allem Wirbel um den Wolf in Niedersachsen setzt Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) auf eine bessere Information der Bevölkerung, um die Akzeptanz für das Tier zu erhöhen. Die Sicherheit der Menschen habe Priorität. Es müsse aber keine falsche Panik erzeugt werden, sagte Wenzel im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Die Zahl der Wölfe in Niedersachsen steigt, Anwohner sind beunruhigt nach Begegnungen mit kaum scheuen Tieren in Wohngebieten und Nutztierhalter sorgen sich zunehmend um ihre Herden. Ist diese Aufregung und die Sorge um die eigene Sicherheit begründet? Spielt die alte Vorstellung vom bösen Wolf eine Rolle? Oder ist die Sichtweise in Städten und auf dem Land, wo der Wolf vermehrt gesichtet wird, unterschiedlich?

Antwort: Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus. Sie weichen aus, wenn sie Menschen hören oder riechen. Eine absolute Sicherheit im Umgang mit Tieren kann aber niemand garantieren - das gilt aber auch für das Zusammentreffen mit Wildschweinen oder entlaufenen Hunden. Der Wolf ist nach dem Fall der innerdeutschen Grenze zurück gekommen, und wir alle müssen uns auf den Umgang mit dieser streng geschützten Art neu einstellen. Andere europäische Länder haben längere Erfahrungen. Dort war der Wolf teilweise nie ausgerottet und viele Menschen haben dort schon Urlaub gemacht, ohne etwas zu bemerken. In unserem Wolfsmanagement steht in jedem Fall die Sicherheit der Menschen an vorderster Stelle.

Frage: Wird der Wolf auch politisch missbraucht?

Antwort: Das Thema wird zum Teil sehr emotional diskutiert; das zeigt sich mitunter auch in der politischen Debatte. Ängste und Sorgen muss man ernst nehmen. Es darf nichts verklärt und verniedlicht werden, aber Dramatisierung und Skandalisierung ist ebenfalls fehl am Platze.

Frage: Mehr Aufklärung, eine bessere Beratung bei Fragen zum Wolf und eine schnellere Entschädigung von Nutztierhaltern soll schon bald das neue Wolfsbüro beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz leisten. Kann damit dem Ruf mancher nach einer Begrenzung der Wolfspopulation bis hin zum Abschuss von Tieren begegnet werden?

Antwort: Ich bin überzeugt, dass die Einrichtung des Wolfsbüros einen wichtigen Beitrag für das konfliktarme Zusammenleben von Wolf und Mensch leisten wird. Vielleicht können dort nicht alle Fragen und Probleme geklärt werden, aber eine intensivere Informationsarbeit, mehr Unterstützung für die Wolfsberater, mehr Kontakt zur Bevölkerung und mehr Dialog werden sicherlich für mehr Akzeptanz für den unter Artenschutz stehenden Wolf sorgen. Im Einzelfall kann das Wolfsbüro auch Maßnahmen einleiten, um Tiere zu entnehmen. Das ist aber an enge Voraussetzungen geknüpft.

Frage: Wenn Ihnen in freier Natur ein Wolf begegnet, was würden Sie tun?

Antwort: Alle Experten im In- und Ausland empfehlen als bewährtes Verhalten, nicht überhastet zu reagieren, sondern sich bemerkbar zu machen, zum Beispiel durch Rufen und Klatschen, den Wolf im Blick zu behalten und sich langsam zu entfernen. Auch eine Pfeife kann man benutzen. Danach sollte man die Begegnung bei einem Wolfsberater melden.

Zur Person:

Stefan Wenzel (53) ist seit Februar 2013 niedersächsischer Umweltminister. Der studierte Agrarökonom ist seit 1986 Mitglied der Grünen und war von 2004 bis 2013 Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Wenzel ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

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