Massenprotest von Bürgern

Widerstand gegen neuen Schlachthof in Wietzen

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Foto: Der Schlachthof des Geflügelfleischproduzenten Wiesenhof in Holte: Wiesenhof will einen Neubau mit größerer Kapazität. Dagegen regt sich Protest.

Hannover - Gegen den von Wiesenhof geplanten neuen Hähnchenschlachthof in Holte (Gemeinde Wietzen) im Kreis Nienburg formiert sich deutlicher Widerstand. Bereits vor Ende der Einwendungsfrist um Mitternacht waren am Donnerstagnachmittag beim Gewerbeaufsichtsamt in Hannover mehr als 1300 Protestnoten von Bürgern eingegangen.

„Das ist viel“, sagte Uwe Licht-Klagge vom Gewerbeaufsichtsamt. „Mit so einer großen Zahl hatten wir nicht gerechnet.“ Wiesenhof plant mit dem Neubau in Wietzen den Ausbau seiner Schlachtkapazitäten von derzeit 140.000 auf 250.000 Hähnchen pro Tag. Das Gewerbeaufsichtsamt muss das Vorhaben noch genehmigen.

Als Reaktion auf die Flut von Einwendungen hat die Behörde den nächsten Schritt im Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt. Der ursprünglich für den 11. September geplante Termin für die öffentliche Erörterung der Argumente der Gegner könne nicht eingehalten werden, teilte das Gewerbeaufsichtsamt mit. Damit könnte sich auch die geplante Inbetriebnahme Anfang 2014 verzögern. „Das ist ein erster Erfolg“, sagte Michael Hettwer, Vorsitzender des Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken. Der Grüne Landtagsabgeordnete Christian Meyer glaubt, „dass die Skepsis der Menschen gegenüber den Großschlachthöfen weiter wächst“. Wiesenhof wollte sich auf Anfrage zu den Einwendungen nicht äußern.

Die Gegner des Schlachthofs wenden sich unter anderem gegen zunehmende Umweltbelastungen wie steigenden Wasserbedarf und deutlich mehr Lärm durch an- und abfahrende Lkw. Außerdem befürchten sie, dass in der Region neue Mastställe errichtet werden. Zentrale Forderung der Gegner ist außerdem eine Umweltverträglichkeitsprüfung, was deutlich höhere Hürden für die Genehmigung bedeuten würde. Das Gewerbeaufsichtsamt hält diese nicht für erforderlich, da Wiesenhof offiziell keinen neuen, sondern lediglich eine Erweiterung des bestehenden Schlachthofs beantragt hat. Außerdem ist nach Angaben des Unternehmens eine tatsächliche Erhöhung der Schlachtzahlen nicht geplant. Der Neubau diene lediglich dazu, „saisonale Schwankungen“ auszugleichen“. Tatsächlich wird aber der alte Schlachthof abgerissen und ein neues und größeres Gebäude auf einem Nachbargrundstück errichtet.

Hettwer vom Landesnetzwerk hält daher die Beteuerung, es würden de facto nicht mehr Hähnchen geschlachtet, für unglaubwürdig: „Wieso investiert Wiesenhof dann im Millionenbereich?“ Angeblich kostet der Neubau 55 Millionen Euro. Außerdem würde das Unternehmen dann der Gemeinde und dem Landkreis gegenüber mit falschen Karten spielen. Dort rechnet man mit bis zu 300 neuen Arbeitsplätzen, was Wiesenhof so aber nicht bestätigen will.

Ob sich das Genehmigungsverfahren weiter verzögern könnte, hängt außerdem noch davon ab, wie das Gewerbeaufsichtsamt mit einer Klage beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg umgeht. Gegen die Änderung des Bebauungsplans durch die Gemeinde hat ein Nachbar geklagt. Möglicherweise könnte die Behörde das Genehmigungsverfahren bis zur Entscheidung des OVG aussetzen.

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