Niedersachsen

Wilder Müll belastet Natur und Finanzen

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Foto: Problem für die Kommunen: Müll vor einem Wohngebäude in Badbergen.

Hannover - Die einen schleudern leere Imbiss-Tüten aus dem Autofenster, die anderen karren Bauschutt und Matratzen auf entlegene Waldparkplätze. Wilder Müll kommt die niedersächsischen Kommunen und die Umwelt teuer zu stehen.

Aus einem beschädigten Müllsack ragen die Reste einer Wohnungsrenovierung heraus, ein paar Meter weiter gammelt ein Altölkanister vor sich hin: Jedes Jahr fällt in Niedersachsen tonnenweise wilder Müll an. Die illegal entsorgten Abfälle verschandeln nicht nur die Landschaft, sondern belasten auch Kommunen und Umwelt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

„Illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Marco Prietz vom Landkreis Osterholz. „Je nach Ausmaß ist es auch eine Straftat.“ Für die Beseitigung des Wild-Mülls muss die Allgemeinheit aufkommen. „Die Kosten bleiben bei allen Gebührenzahlern hängen“, so Prietz.

Allein im Kreis Osterholz sind das rund 12.000 Euro im Jahr. InWolfsburg wird es noch teurer: „Auf dem Gebiet der Stadt Wolfsburg werden pro Jahr etwa vierzig Tonnen wilden Mülls eingesammelt“, sagt Pressesprecherin Elke Wichmann. Das koste im Jahr rund 21.000 Euro. In der Stadt Cuxhaven wiederum fallen durchschnittlich 18 Tonnen an, deren Beseitigung mit etwa 6000 Euro zu Buche schlägt.

„Eine mengenmäßige Zunahme der illegalen Abfallentsorgung ist für die vergangenen Jahren nicht feststellbar“, sagt Wichmann inWolfsburg. Das bestätigen auch ihre Kollegen aus Cuxhaven und Lüneburg. „Aber achtlos weggeworfene Verpackungsabfälle von Fast-Food-Restaurants werden häufiger aufgefunden als früher.“ Eine Zunahme von „To-Go-Abfällen“ sieht auch Maja Heindorf von den Göttinger Entsorgungsbetrieben.

Oft wird Müll im Wald abgeladen. Die Förster seien sensibilisiert dafür, sagt Reiner Baumgart von den Niedersächsischen Landesforsten. „Aber der Wald ist groß. Hilfreich sind Hinweise von Jägern und Spaziergängern.“ Keineswegs harmlos sei zudem das Entsorgen von Gartenabfällen. „Man schleppt da Einiges an fremden, invasiven Arten ein.“ Große Probleme bereiteten etwa das Drüsige Springkraut und der Staudenknöterich. „Sie schalten alle heimischen Arten komplett aus.“

Was Müll bei Tieren anrichten kann, zeigt sich an so manchem Pflegling im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde (Kreis Gifhorn). Mit kleinen Widerhaken besetzte Plastikringe, etwa von Flaschen, schnürten den Tieren die Gliedmaßen ab, sagt die Biologin Bärbel Rogoschik. „Es ist gruselig. Die wachsen ja nicht mit.“ Auch achtlos weggeworfene Vogelschutznetze, Bindegarn oder Angelhaken machten zunehmend Probleme. In manchem Storchenhorst ertrinken bei Starkregen die Jungvögel, weil beim Nestbau aufgelesenes Plastik das Ablaufen des Wassers verhindert.

Illegale Müllentsorgung belastet auch das Meer. „Schätzungen gehen von circa 20.000 Tonnen Abfall aus, die Jahr für Jahr in der Nordsee landen. Etwa drei Viertel davon sind Plastikmüll“, sagt Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Jeglicher Plastikmüll ist fatal, da er von vielen Tieren gefressen wird“, sagt Peter Lienau von der Seehundstation in Norddeich (Kreis Aurich). 2013 wurde laut NLWKN bei fast einem Viertel der tot aufgefunden Baßtölpel – einem Meeresvogel – Plastikmüll im Magen entdeckt. „Probleme bereiten auch Fischernetz-Reste, darin können sich Meeressäuger und Seevögel verfangen“, so Lienau. Einen Lichtblick gibt es dennoch: „Wir haben nur ganz selten verölte Vögel. Das ist besser geworden.“

dpa

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