Pipeline quer durch Niedersachsen

K+S will die Nordsee versalzen

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Ab in den Fluss: Im hessischen Hattorf leitet K+S Salzlauge in die Werra, die dann auch in die Weser gelangt. Besser für die Umwelt wäre es, sie gleich in die Nordsee zu bringen.

Hannover/Kassel - Eine weitere Großtrasse soll quer durch Niedersachsen führen: Der Düngemittelkonzern K+S plant eine Pipeline von seinem Abbaugebiet an der Grenze von Hessen und Thüringen bis zur Nordsee.

Das Ziel ist, Salzlauge aus den dortigen Bergwerken nördlich von Wilhelmshaven direkt ins Meer zu leiten und nicht wie bislang im hessischen Hattorf in die Werra zu spülen. Vier mögliche Trassen hat der Kasseler Konzern ausgearbeitet, sie sind zwischen 400 und 340 Kilometer lang und betreffen Niedersachsen unterschiedlich stark. Eine davon führt unweit des Deisters durch die Region Hannover, zwei weitere verlaufen weiter westlich, die vierte liegt größtenteils in Nordrhein-Westfalen.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) begrüßte die Pläne. Wichtig sei, dass die Umwelt so wenig wie möglich belastet werde. Eine Abwasserpipeline in die Oberweser, wie sie K+S zwischenzeitlich auch mal geplant hatte, lehnt das Land aber kategorisch ab. Das würde zu keiner Entlastung der Flüsse führen, hieß es.

Anfang April sollen die Varianten bei Treffen mit beteiligten Kommunen in Oldenburg und Hannover erläutert werden, das Raumordnungsverfahren wird vermutlich im Jahr 2015 starten. Bis zur Inbetriebnahme der Pipeline könnten insgesamt schon zehn Jahre vergehen. K+S selbst würde schon aus Kostengründen lieber weiter Salzlauge in die Werra leiten. Doch dagegen gibt es massiven Widerstand vor Ort.

Im Gegensatz zu der geplanten Stromtrasse Südlink würde die rund 700 Millionen Euro teure Salzpipeline komplett unterirdisch verlaufen, teilweise parallel zu einer Erdgasleitung. Die Trasse durch die Region Hannover betrifft unter anderem das Gebiet der Stadt Pattensen und das Calenberger Land, führt dann nördlich des Deisters an Barsinghausen vorbei und westlich um das Steinhuder Meer herum. Eine weitere Trasse erreicht Niedersachsen südöstlich von Osnabrück und führt dann nördlich an Cloppenburg vorbei und zwischen Oldenburg und Leer hindurch. Die dritte verläuft zwischen Diepholz und Sulingen und dann am östlichen Rand von Oldenburg vorbei zum Meer.

Hintergrund der Pläne: der Konzern betreibt an der Grenze von Hessen und Thüringen die Kaliwerke Werra (Hattorf) und Neuhof-Ellers, in denen er unter anderem Mineraldünger herstellt. Dabei entstehen enorme Mengen Salzabwasser, die bislang in die Werra fließen. Das sorgt in der Region seit Jahrzehnten für Unmut. Ein runder Tisch mit Vertretern von Bundesländern, Kommunen und K+S selbst arbeitet seit Jahren an Konzepten, die Abwassermenge zu verringern. Allein durch technische Verbesserungen, in die das Unternehmen rund 360 Millionen Euro investiert, soll sich die Einleitung in die Werra von 2006 bis 2015 halbieren. Sieben Millionen Kubikmeter Lauge pro Jahr bleiben es aber auch dann noch.

Das Land Hessen will zudem dort seit 1942 geltende Grenzwerte, die mit Rücksicht auf die Kriegsproduktion ungewöhnlich hoch waren, senken, was den Druck auf Kali+Salz erhöht. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die ungeliebte Lauge nach Norden abzuleiten.

Tarek Abu Ajamieh und Saskia Döhner

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