Zukunft von Sprachförderschulen in Niedersachsen

SPD will Schulen Zeit geben für Inklusion

Hannover - Auf ihrer Klausurtagung diskutiert die SPD über gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap. Für Sprachförderschulen gibt es neue Hoffnung: Sie können nach SPD-Willen zu Grundschulen mit Sprachheilklassen umgebaut werden.

Die SPD-Landtagsfraktion hat sich auf ihrer alljährlichen Klausurtagung ein sperriges Thema vorgenommen, das aber hier und da für Verdruss sorgt. Sie diskutierte in Hildesheim darüber, wie man den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps zwar forcieren könne (Inklusion), aber Schulen, die nicht so weit sind, doch noch Zeit geben kann. Geredet wurde deshalb auch über die Zukunft von neun Sprachförderschulen, die laut Koalitionsvertrag eigentlich im kommenden Jahr geschlossen werden sollten. Sie sollen jetzt zu Grundschulen mit Sprachheilklassen weiterentwickelt werden – in entsprechenden Regionalkonzepten.

Vor der zweitägigen Klausurtagung in Hildesheim hat SPD-Fraktionsvorsitzendende Johannes Modder eine Reihe von Schulen im Lande besucht, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, die regional höchst unterschiedlich ist. Modder traf dabei auf Schulen, die wenig Probleme mit der von der UN geforderten Einbeziehung behinderter Schüler in den Unterricht der Regelschulen hatten. Sie traf aber auch auf solche, die von den Reformanforderungen überfordert waren. Modder bedauerte, dass im Lande der Eindruck entstanden ist, dass Rot-Grün jetzt schlichtweg alle Förderschulen „wegrasieren“ wolle. Eine wichtige Erkenntnis verschafften ihr nach eigenen Worten die Schulbesuche: „Wir brauchen nicht eine landesweite Schablone, sondern regional entwickelte und unterschiedliche Konzepte.“ So sollten die regionalen Entwicklungen genauso beachtet werden beim Schulaufbau wie der Elternwille: „Wir wollen etwas Druck rausnehmen.“

SPD-Bildungsexperte Claus Peter Poppe berichtete, dass die inklusive Schule, die am 1. August vergangenen Jahres begann, bereits erste Erfolge zeitige. So hätten sich 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die wegen ihrer Handicaps besondere Unterstützung bräuchten, für den Besuch einer allgemeinbildenden Schule entschieden. „Wir fangen nicht bei null an“, sagte Poppe, der auch berichtete, dass 80 Prozent der Kinder von Förderschulen, nach einer bestimmten Zeit wieder die in die normale Schule zurückgegangen seien.

„Der Wille zur Inklusion ist uns schon wichtig, aber wir anerkennen, dass wir dazu mehr Zeit brauchen“, fasste Modder die einstimmig gefassten Beschlüsse ihrer Fraktion zur Inklusion zusammen. Anerkennung fanden sie auch beim grünen Koalitionspartner, der in Gestalt der stets kritischen Abgeordneten Ina Korter in Hildesheim erschienen war: Sie will der eigenen Fraktion die Vorschläge des Partners wohlwollend vortragen. „Entscheidend bleibt der Elternwille“, findet Korter.

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