Raketenabsturz in Leiferde

Uni will Testflüge nach Unfall verlegen

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Foto: Warum konnten die Forscher die Versuchsrakete in einem besiedelten Gebiet in die Luft schießen? Das Bild zeigt ein ähnliches Modell auf dem Flugplatz auf dem Modellflugplatz nahe Hillerse im Landkreis Gifhorn

Leiferde - Nach dem Einschlag einer Forschungsrakete in ein Wohnhaus prüft die Polizei, ob gegen das Luftverkehrsrecht verstoßen wurde. Das 1,60 Meter hohe Geschoss war von Braunschweiger Studenten abgeschossen worden. Die Uni hat sich mittlerweile bei der betroffenen Familie entschuldigt.

Mephisto ist platt: Das acht Kilo schwere Teufelchen war mal eine Höhenforschungsrakete, jetzt lagern die Überreste bei der Polizei. Dort prüfen die Beamten, ob bei dem Start der Rakete gegen das Luftverkehrsrecht verstoßen wurde, denn Mephisto schlug in ein Wohnhaus in Leiferde ein und verwüstete dort ein Kinderzimmer. An der Uni Braunschweig, die international gerade in der Luft-und Raumfahrttechnik einen exzellenten Ruf genießt, sind die Studenten der AG Experimental-Raumfahrt um eine Erfahrung reicher: Wer forscht, bei dem kann die Fallhöhe groß sein.

Bei der Polizei in Gifhorn fragt sich Sprecher Lothar Michels am Dienstag, warum die Forscher die Rakete in einem besiedelten Gebiet in die Luft schießen konnten. Zunächst behandeln die Ermittler den Unfall vom Sonntag aber als fahrlässige Sachbeschädigung. Strafrechtliche Ermittlungen müssen die Studenten nicht fürchten. Die Ursache für den Absturz sei wohl ein technisches Versagen gewesen.

Die Universität kündigt als Konsequenz an, dass die Raketentests nun in ein entlegeneres Gelände mit einem größeren unbebauten Radius verlegt werden sollen. Von dem Modellflugplatz knapp zwei Kilometer von Leiferde entfernt, wo Mephisto in die Luft ging, würden wohl so schnell keine Starts mehr erfolgen, sagt Universitätssprecherin Elisabeth Hoffmann. Die Raketenversuche gibt es seit 15 Jahren, drei- bis viermal pro Jahr gingen zuletzt Flugkörper in die Luft.Normalerweise bremsen zwei Fallschirme die Rakete auf ihrem Weg zum Boden, nachdem sie in eine Höhe von 1000 bis 1200 Meter geschossen wurde. Der genau Grund für den Unfall vom Sonntag ist den Forschern noch unklar - zumal die Rakete bereits mehrfach problemlos in die Luft geschossen wurde. Genehmigt wurden die Starts auch stets ganz offiziell, und zwar von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Wolfenbüttel.

Der Schaden am kaputten Wohnhaus ist inzwischen repariert - wie hoch er war, kann die Polizei am Dienstag nicht sagen. Die Raketenflüge der studentischen Arbeitsgemeinschaft seien auf jeden Fall versichert, sagt die Uni-Sprecherin. Mit einem großen Blumenstrauß und einer Entschuldigung des Präsidenten ging die Universität auf die Bewohner des Hauses zu, die um Zeitpunkt des Unfalls nicht daheim waren. Auch die Studenten wollen sich noch vor Ort melden.Und Mephisto? Die Rakete hat nun nur noch Schrottwert. Super teuer war das Teufelchen nicht, der Wert liege vor allem in den vielen in die Konstruktion investierten Arbeitsstunden, sagt die Uni-Sprecherin.

Trotz der aktuellen Negativschlagzeilen sei die Raketen-AG normalerweise ein gutes Aushängeschild der Technischen Universität in Braunschweig, um künftige Studenten für technische Fächer zu werben, meint Hoffmann. „Das ist natürlich super, wenn die Studenten selbstständig Projekte entwickeln. Die sind unsere Botschafter.“

dpa

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