Zurück zur Uni

William will’s wissen

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London - Der Herzog von Cambridge geht wieder studieren – und genießt dabei einige Privilegien.

Akademische Neigungen kann man seinen Vorfahren nicht gerade nachsagen. Seine Mutter hat sogar einmal kokett erklärt, sie sei „so dumm wie Bohnenstroh“. Prinz William aber, der Zweite in der britischen Thronfolge, zieht es zum wiederholten Male an die Uni. In dieser Woche hat der Herzog von Cambridge – der bereits 2005 ein Geografiestudium mit dem schottischen Master of Arts abgeschlossen hatte – begonnen, seine Bildung etwas aufzufrischen. In Cambridge absolviert er zehn Wochen lang einen Intensivkurs in landwirtschaftlichem Management.

Angeboten wird der Kurs im Rahmen eines Spezialprogramms der englischen Hochschule. Schirmherr des Programms ist (nicht ganz zufällig) Williams Vater Prinz Charles. Weil es sich um ein Angebot handelt, das sonst gern Wirtschaftsbosse nutzen, hat William auch keine Aufnahmeprüfung machen müssen. Das ist auch gut so. Seine Schulnoten hätten für eine Zulassung nicht gereicht.

Ein gewisses Grummeln hat die Ankunft des blaublütigen Kommilitonen denn auch bei Studenten ausgelöst, die ihren Studienplatz an der renommierten Hochschule allein sehr guten Leistungen im Abitur verdanken. Solche Kritik fhält Cambridge-Professor Ross Anderson aber für Unfug. Man dürfe William „wegen seiner Geburt nicht diskriminieren“. Ob der Prinz mit Top-Noten in Cambridge antrete oder nicht, sei „so unwichtig wie der Preis für Tee in China“ – solange er für seinen Kurs brav bezahle.

Und das tut er. Die rund 10 000 Pfund, die die zehn Wochen kosten sollen, stammen nach Angaben des Kensington Palast aus privaten Ressourcen der Windsors. Ein staatliches Darlehen, wie die meisten Studenten an der Uni, hat der Herzog von Cambridge nicht aufnehmen müssen. So ganz kann er natürlich auch kein Durchschnittsstudent sein. Zum Kurs kommt er nicht im Pulli und in Segeltuchschuhen, sondern in feinem Tuch, mit steifem Kragen und Krawatte. Außerdem hat er immer einen Leibwächter im Schlepptau. Immerhin lässt er sich offenbar nicht täglich in einer Luxuslimousine nach Cambridge chauffieren. Stattdessen pendelt er im Zug von und nach Kings Cross.

Was ihm an Zeit bleibt, will William dem Studium „nachhaltiger Führungsmethoden“ in der Landwirtschaft widmen. Das sollte ihm zugute kommen, wenn er einmal vom Vater die Duchy of Cornwall übernimmt. Die Ländereien dieses Herzogtums stehen nämlich in der Verfügung des Prinzen von Wales, des ältesten Sohnes des jeweiligen Monarchen. Die Duchy umfasst stolze 540 Quadratkilometer Fläche in insgesamt 23 Grafschaften. Sie spielt Charles derzeit fast 20 Millionen Pfund jährlich ein.

Die Kolumnistin Catherine Bennett spottete im „Observer“, vielleicht werde man William auch ein paar Lektionen in cleverem Pachteinzug, nachhaltiger Steuervermeidung und königlicher Bio-Keks-Vermarktung erteilen.

Peter Nonnenmacher

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