Kurioser Fall in Berlin

Willst du mich – adoptieren?

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Foto: Geld oder Liebe? Die Adoption der Steuer wegen ist verboten.

Berlin - Ein 74-jähriger Berliner will eine 62-jährige Bekannte zur Tochter – doch das Kammergericht lehnt das ab. Der Altersabstand von zwölf Jahren weise nicht auf eine Eltern-Kind-Beziehung hin.

Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen.“ So schreibt Friedrich Schiller 1782 im Drama „Die Räuber“. Ein Satz, dem auch deutsche Gerichte zustimmen können. Denn geht es um Adoptionen unter Erwachsenen, soll die Beziehung einem Eltern-Kind-Verhältnis gleichen. Die sogenannte Volljährigenadoption soll, so schreibt es das Gesetzbuch, „sittlich gerechtfertigt“ sein.

Im jüngsten Fall aus Berlin schien die Sache den Richtern allerdings doch unsittlich: Ein 74 Jahre alter Mann wollte seine 62-jährige Bekannte adoptieren. Beide hatten sich erst ein Jahr vor dem Adoptionsantrag kennengelernt. Nachdem ihr Vorhaben vom Amtsgericht zunächst abgelehnt worden war, legten die beiden Beschwerde gegen das Urteil ein. Ohne Erfolg.

Jetzt sprach sich auch das Kammergericht Berlin gegen die ungewöhnliche Familiengründung aus. Erwachsene könnten nur mit einem gewissen Altersabstand adoptiert werden, meinten die Juristen. Und bei einem Abstand von nur 12 Jahren liege nun wirklich keine Eltern-Kind-Beziehung vor.

Doch einen genau definierten Altersabstand gibt es nicht. In einem anderen, Jahre zurückliegenden Fall adoptierte eine Frau ihren 13 Jahre jüngeren Bruder. Begründung des Gerichts: Die Frau hatte sich schon früh wie eine Mutter um den Bruder gekümmert.

Die Erwachsenenadoption ist weit verbreitet – und gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Nach Ansicht von Karl Krömer vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamten sei heutzutage schätzungsweise jede zweite Adoption eine Erwachsenenadoption. Oft geht es dabei weniger ums Herz, eher ums Geld. Experten schätzen, dass bei 90 Prozent der Fälle finanzielle Motive im Vordergrund stehen.

Eine Adoption bringt erbschaftsteuerliche Vorteile. Doch das dürfen die Richter nicht merken. So wurde ein Fall abgelehnt, weil eine Frau ihren Wunschsohn immer noch siezte. Da half auch nicht das Argument der 80-Jährigen, sie habe ihren Vater früher auch siezen müssen.

Der frühere Castingteilnehmer Daniel Küblböck hingegen hat es geschafft. Seine 70-jährige Adoptivmutter sei eine „Seelenverwandte“. Und sie ist Millionärin.

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