Ermittlungen

Windpark-Affäre belastet Landvolk

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Foto: Die Windpark-Affäre beim Landvolk Diepholz weitet sich aus.

Diepholz - Untreue, Vetternwirtschaft, Korruption? Die Windpark-Affäre beim Landvolk Diepholz weitet sich aus.

Beim Landvolk in Diepholz haben sie offenbar noch viel mehr Geld in den Wind geblasen als zunächst bekannt. Bisher war von 2,4 Millionen Euro die Rede, die in dunklen Kanälen versickert sein sollen - es handelt sich um Geld des Landvolks und um Anteile von Mitgliedern an Windparks des Bauernverbands. Lothar L., der frühere Vorsitzende, soll das Geld mit zwei Geschäftspartnern abgezweigt haben und sich dabei noch dreister aus den Investitionen der Landwirte bedient haben als bisher bekannt.

Lampe schweigt zu den Vorwürfen. Inzwischen summieren sich die Rückforderungen auf acht Millionen Euro, eventuell sogar mehr. „Da ist möglicherweise noch nicht alles drin“, sagt der neue stellvertretende Vorsitzende Jochen Meyer. Die Mitglieder des Landvolk-Kreisverbandes in Diepholz sollen „geschockt“ gewesen sein, als die Verbandsspitze ihnen kürzlich das Ausmaß der Untreue geschildert hat. Der Bauernverband hat seinen früheren Vorsitzenden L. auf Schadensersatz verklagt. Ebenso einen früheren Geschäftsführer, Wilhelm B., sowie Johan-Lüken G., einen ehemaligen Steuerberater.

Die drei haben offenbar hervorragend verdient an einem Geschäftsmodell, das viele Landvolkverbände inzwischen betreiben: Sie gründen Tochtergesellschaften, die Windparks planen und unterhalten. Landwirte verdienen so nicht nur, indem sie Land für die Parks verpachten. Sie können sich mit Einlagen auch direkt an den Anlagen beteiligen

Die drei Beschuldigten sollen gemeinsame Sache gemacht haben, etwa bei der Gründung einer Tochterfirma in Hamburg. Die Rotstein Verwaltungs-GmbH nennt angeblich vier Windräder ihr Eigen, die eigentlich dem Landvolk gehören müssten - so die Auffassung beim Verband. Hinter Rotstein standen angeblich: Lothar L., Wilhelm B. und Johan-Lüken G. Rotstein ist eine reine Briefkastenfirma, die Herren tauchen im Handelsregister nicht auf - dafür der Schwiegersohn L.s. Wie die vier Windräder zu der Gesellschaft gelangt sind, ist Teil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stade. Der Verdacht lautet nicht nur hier auf Untreue in einem besonders schweren Fall.

Denn damit nicht genug: L.s Schwiegersohn soll fast drei Millionen Euro von der Firma Westwind aus Kirchdorf im Kreis Diepholz erhalten haben - für angebliche Vorträge. Westwind hat für das Landvolk über Jahre Windparks geplant und errichtet. Westwind wiederum soll von L. drei Millionen Euro aus der Kasse einer Tochterfirma des Landvolks überwiesen bekommen haben. Davon flossen 1,23 Millionen für die Planung eines Windparks, der nie gebaut wurde. Als Geschäftsführer der Windparktochterfirmen hat L. seine Geschäftsfreunde zusätzlich mit fürstlichen Honoraren versorgt.

Die ersten Klagen des Bauernverbandes auf Schadensersatz sind anhängig. „Wir haben hier einen richtigen Sumpf“, sagt Landvolk-Vize Meyer.

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