Wirtschaftliche Einbußen befürchtet

Die Wölfe sind nicht überall willkommen

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Bergen - Je mehr Wölfe sich in der Lüneburger Heide einstellen, desto größer werden die Vorbehalte. Hoteliers und Pensionswirte warnen vor einer ungebremsten Vermehrung der Wölfe. Einige Schafhalter haben ihre Tiere schon abgeschafft, weil ihnen die Schutzvorkehrungen zu aufwendig und zu teuer sind.

Und das Umweltministerium in Hannover noch immer nicht abschließend geklärt hat, wie Nutztierhalter entschädigt werden, wenn Wölfe etwa Heidschnucken oder Damwild getötet haben. Bisher gibt es keine Entschädigung, wenn Wölfe in ein Gehege eingedrungen sind, wie gestern erneut in Eschede.

Fast 500 Menschen fanden sich am Dienstagabend im Stadthaus in Bergen (Kreis Celle) ein, um mit Experten über das Thema „pro und contra Wolf“ zu diskutieren. Die meisten Bewohner der Südheide machten keinen Hehl aus ihrer Ablehnung, nur wenige gaben sich als Freunde der Wölfe zu erkennen. Ferienhausvermieter berichteten, Familien mit Kindern hätten ihren Urlaub in der Heide mit Hinweis auf die Wölfe abgesagt. Dieter Heine, Hoteleigentümer in Celle, warnte vor dem Verlust von Arbeitsplätzen im Tourismus, wenn immer mehr Gäste aus Angst vor Wölfen ausblieben.

Einzelne Jäger erkundigten sich, ob nicht Einzelabschüsse erlaubt werden könnten, um ein weiteres Anwachsen der Population zu verhindern. Der Celler Kreisjägermeister Hans Knoop schob dem sofort einen Riegel vor. Wölfe seien die am strengsten geschützten Tiere in Europa. Wer einen Wolf töte, begehe ein Straftat und müsse seinen Jagdschein „für den Rest seines Lebens“ abgeben.

Nach Angaben von Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, lebt derzeit ein Wolfsrudel (ein Elternpaar und vier Welpen) auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Einzelne Wölfe seien bei Meißendorf, Schmarbeck und an der Grenze zum Landkreis Gifhorn nachgewiesen worden. Auch im Raum Munster lebe ein Wolfspaar mit aktuell zehn Welpen. „Seit vor 13 Jahren die ersten Wölfe in Deutschland auftauchten, zeigt sich immer wieder, dass sie zuerst die Truppenübungsplätze besiedeln“, berichtete Habbe, „dort finden sie ideale Lebensräume und viel Wild.“

In der Lüneburger Heide stillen sie ihren Hunger inzwischen auch mit Heidschnucken, anderen Schafen und Damwild, das im Gehege gehalten wird. „Wir müssen befürchten, dass die Heidschnucken abgeschafft werden und sie als Landschaftspfleger nicht mehr zur Verfügung stehen“, warnte ein Schafhalter, viel Geld könne man mit den Heidschnucken ohnehin nicht verdienen, und die Anschaffung hoher Zäune und speziell trainierter Herdenschutzhunde rentierten sich nicht.

Mathias Brockop vom Landesschafzuchtverband bestätigte dies und machte darauf aufmerksam, dass an Flüssen und auf Deichen kein wirksamer Schutz vor dem Wolf möglich sei. Immerhin hätten die Schafzüchter in Niedersachsen bisher 150 000 Euro investiert, um ihre Tiere bestmöglich zu schützen. Leider gebe es von der Landesregierung noch immer nicht die versprochene Entschädigungsregelung, „obwohl das Problem schon sieben Jahre bekannt ist“.

Norbert Burget, Referatsleiter im Umweltministerium in Hannover, hielt dem entgegen, dass ein Entwurf für eine Förderrichtlinie seit Beginn dieser Woche fertig sei und jetzt mit den Betroffenen abgestimmt werde. Burget räumte ein, dass die Entschädigungsregelung schon lange auf sich warten lasse und das Land noch kein Geld für Zuschüsse zum Kauf von Wolfsschutzzäunen im Etat habe. Auch gebe es bisher keine Zuschüsse für die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden. Die Gründe für die Verzögerungen lägen im Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Landrat Klaus Wiswe hat mit Jägern und Naturschützern geregelt, was zu tun und was erlaubt ist, wenn ein Wolf bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde und am Straßenrand große Qualen erleidet. „Auf keinen Fall erschießen“, sagt Kreisjägermeister Knoop, sondern die Polizei oder die Einsatzleitstelle 112 informieren.

Dann werde schnellstmöglich mit der Polizei ein Wolfsberater zum Ort des Geschehens kommen und entscheiden, ob der verletzte Wolf zum Tierarzt gebracht wird oder per Fangschuss getötet werde. Wer womöglich aus Tierschutzgründen ohne Mitwirkung eines Wolfsberaters zur Waffe greife, müsse mit einem Strafverfahren rechnen.

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