Sechs Landkreise suchen das Tier

Wolf soll eingefangen und untersucht werden

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Wildeshausen - Nachdem sich ein Wolf in Niedersachsen im Kreis Oldenburg erstmals bis in Wohngebiete vorgewagt hat, ist er nun verschwunden. Das Umweltministerium kündigte heute eine Suchaktion nach dem Wolf an. Er soll betäubt und mit einem Sender ausgestattet werden.

Nach dem Vordringen eines Wolfes in Wohngebiete im Nordwesten Niedersachsens ist in sechs Landkreisen die Suche nach dem scheulosen Jungtier angelaufen. Der Wolf solle mit Gummigeschossen verscheucht oder mit einem Betäubungsgewehr gestoppt werden, kündigte Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz am Dienstag in Hannover an. „Es wird versucht, den Wolf einzufangen.“ Nur wenn der Wolf Menschen bedrohe, dürfe er erschossen werden. Bislang wurde das Tier nicht aggressiv. Kürzlich hatte auch Schleswig-Holstein einem Wolfsbetreuer die Genehmigung gegeben, ein verhaltensauffälliges Tier im Herzogtum Lauenburg mit Gummigeschossen zu vertreiben.

Wolf soll mit Sender ausgestattet werden

Um den Wolf bei einer erneuten Sichtung mit Gummigeschossen oder dem Betäubungsgewehr ins Visier zu nehmen, werden in den Kreisen Nienburg, Diepholz, Vechta, Oldenburg, Ammerland und Cloppenburg nun Zuständige benannt. Dies können neben Wolfsberatern auch Veterinäre oder entsprechend ausgebildete Polizeibeamte sein, erklärte Kottwitz. Die Jägerschaft wurde nicht eingebunden. Bei einer Betäubung des Wolfes werde dieser nach einer Untersuchung im Wildpark Lüneburger Heide oder dem Tierpark Görlitz mit einem Sender ausgestattet, um sein Bewegungsmuster bei einer erneuten Aussetzung in der niedersächsischen Natur zu verfolgen.

Schnappschuss mit dem Smartphone: So lief der Wolf durch das Wohngebiet in Wildeshausen.

Quelle: dpa

Der Wolf war am Sonntag und Montag in Wildeshausen und Großenkneten im Kreis Oldenburg in Siedlungen gesichtet und auch fotografiert und gefilmt worden. „Mir ist nicht bekannt, dass das Tier wieder irgendwo aufgetaucht ist“, sagte Kreissprecher Oliver Galeotti am Dienstag. „Im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass die meisten Menschen damit gelassen umgehen, sie sehen die Gefährdungslage nicht“, sagte Galeotti. „Ich sehe keine Hektik oder Panik.“

Obwohl durch Wohngebiete streunende Wölfe ein Novum in Deutschland seien, gebe es für besondere Vorsichtsmaßnahmen keinen Grund, sagte Kottwitz. Wer einem Wolf begegne, solle ruhigbleiben, in die Hände klatschen und sich zurückziehen, riet die Staatssekretärin.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Ist denn wirklich sicher, dass es sich bei dem gesichteten Tier um einen Wolf handelt? Sowohl die Wolfsberater im Kreis Oldenburg als auch die Experten des Umweltministeriums sind sich sehr sicher, dass es sich um einen wahrscheinlich noch jungen Wolf handelt.

Ist bei mehreren Sichtungen an unterschiedlichen Stellen in Wildeshausen und Großenkneten klar, dass es sich nur um einen Wolf handelt? Das Ministerium geht im Moment davon aus, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt.

Was soll nun unternommen werden? Sobald der Wolf in der Region erneut gesichtet wird, soll das Tier entweder mit Gummigeschossen vertrieben oder mit einem Betäubungsgewehr gestoppt werden. Nur wenn Menschen in Gefahr geraten, räumt der Tierschutz die Möglichkeit ein, den Wolf zu erschießen.

Lauern nun alle Jäger im Nordwesten dem Wolf auf? Nein, die Landesjägerschaft wurde in Absprache nicht mit der Suche nach dem Wolf betraut. Dafür benennen die Landkreise Amtspersonen wie im Umgang mit Betäubungsgewehren ausgebildete Polizisten, Veterinäre oder auch Wolfsberater.

Falls der Wolf gefangen wird, was dann? Zur kurzfristigen Beobachtung soll das Tier in eine Auffangstation gebracht und auch tierärztlich untersucht werden. Vor seiner erneuten Freisetzung soll der Wolf mit einem Sender versehen werden, damit die Experten verfolgen können, wo er sich herumtreibt. Durch unangenehme Reize wie den Beschuss mit Gummigeschossen soll dem Wolf bei der Freilassung klargemacht werden, dass er sich besser vom Menschen fernhält.

Das klingt nach Wolfsversteher-Pädagogik. Was, wenn die sogenannten Vergrämungsmaßnahmen nicht greifen und das Tier Menschen gegenüber aggressiv wird? Dann will das Ministerium den Wolf erneut einfangen lassen und beispielsweise in einem Tierpark unterbringen.

Was meinen Naturschützer zum Umgang mit dem Wolf? Der Naturschutzbund empfiehlt, nach den Ursachen für die fehlende Scheu des Tieres zu suchen. Diese könnte darin liegen, dass Wölfe von Menschen gefüttert worden sind.

In letzter Zeit häufen sich Meldungen von Menschen, die möglichen Wölfen in freier Natur begegnet sind. Hat es dabei schon brenzlige Situationen gegeben? Dem Umweltministerium ist bislang kein einziger Fall bekannt, beim dem ein Wolf Menschen gegenüber aggressiv geworden ist.

Haben die Experten dem Wolf schon einen Namen gegeben? Das ist das allerletzte, für das die Fachleute nun Zeit haben.

dpa

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