Übergriff in Diskothek

Wollte Bremer Polizei Angriff vertuschen?

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Foto: Bremer Polizisten wird vorgeworfen, in der Diskothek „Gleis 9“ brutal gegen einen 28 Jahre alten Mann vorgegangen zu sein.

Bremen - Hat die Bremer Polizei ein Video verschwinden lassen, das sie belastet? Nach dem brutalen Übergriff auf einen Diskogast sind jetzt neue Vorwürfe laut geworden.

Nach dem mutmaßlichen Polizeiübergriff auf einen Gast einer Bremer Diskothek ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht mehr nur wegen Körperverletzung im Amt. Sie versucht auch aufzuklären, ob die Polizisten einen belastenden Videomitschnitt womöglich verschwinden lassen wollten. Mehrere Beamte hatten einen laut Polizei „aggressiv aufgefallenen“ 28-Jährigen überwältigt und den bereits am Boden Liegenden geschlagen und getreten, wie ein Überwachungsvideo des Lokals zeigte.

Staatsanwältin Claudia Kück bestätigte am Donnerstag auf Anfrage, dass nach dem Vorfall die am Einsatz beteiligten Beamten von der Disko den Mitschnitt angefordert hatten - angeblich als Beweismittel, denn der Mann soll eine Garderobenfrau geschlagen und dann gegen die einschreitenden Polizisten Widerstand geleistet haben. Solche Aufnahmen anzufordern sei ein „völlig normaler Vorgang“, sagte Kück.

Die Diskobetreiber wollen das Video daraufhin zur Polizei gebracht haben. Das bestreiten die Beamten. Nun lässt die Staatsanwaltschaft durch Ermittler des Innensenators klären, welche Aussage stimmt. Sollte die Polizei das Video tatsächlich erhalten haben, müsse geprüft werden, unter welchen Umständen es verschwunden sei. Sollte sich herausstellen, dass das Video mit den Gewaltszenen bei der Polizei verschwand, wäre es ein Fall von Strafvereitelung, sagte Kück. Tage nach dem Vorfall beschlagnahmte laut Kück eine andere Polizeidienststelle mit richterlichem Beschluss die komplette Videoüberwachungsanlage der Disko. Dies habe aber nichts mit dem nächtlichen Einsatz zu tun gehabt, sondern sei die Folge einer Strafanzeige eines Mitarbeiters der Disko aus einem anderen Grund gewesen.

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