Britische Panzerbrigade wird aufgelöst

Wüstenratten verlassen Lüneburger Heide

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Benannt nach ihren Einsätzen in der Wüste: Die 7. Panzerbrigade, die ihr Domizil in Niedersachsen demnächst räumen muss. Es geht zurück nach Großbritannien.

Bergen - Für die rote Wüstenratten genannten Soldaten der 7. britischen Panzerbrigade geht eine ebenso lange wie abwechslungsreiche Geschichte zu Ende. Der rund 5000 Mann starke Kampfverband fällt der Verkleinerung der britischen Armee zum Opfer und muss seine Kasernen in der Lüneburger Heide spätestens 2015 räumen.

Nach dann 68 Jahren in Deutschland geht es zurück auf die britischen Inseln - wo die Wüstenratten allerdings noch nie ein Zuhause hatten. „Die Wüstenratte wird das alles überleben“, sagt Brigadier James Woodham. Wenn es die 7. Panzerbrigade nicht mehr gibt, wird deren Tradition von der 7. Infanteriebrigade übernommen und gepflegt. Statt Panzersoldaten werden künftig Grenadiere die stilisierte rote Springmaus als Wappen an ihrer Uniform tragen.

Das kleine, überaus wachsame Tier begleitet die britischen Soldaten schon seit 1940 und erinnert zugleich an viele Kriegseinsätze, die Tausende das Leben gekostet haben. Ein arabischer Junge, der mit Eiern handelte, brachte den britischen General Sir Michael O’Moore-Creagh seinerzeit auf die Idee, seine Soldaten mit dem Ratten-Wappen zu schmücken. Der Grund: Der kleine Eierhändler hatte eine kleine Springmaus dabei, die sich genauso verhielt, wie der General es seinen Soldaten in der Wüste befahl - möglichst oft aufgerichtet Ausschau halten nach dem Feind und dann wieder ganz schnell abtauchen in den Wüstensand.

Schon zwei Jahre zuvor, 1938, stellte die britische Armee in Nordafrika eine neue Panzerdivision zusammen. Sie bekam die Nummer 7 und hatte soeben ihre Gründungsphase hinter sich, als sie von 1940 bis Ende 1941 in die Gefechte mit deutschen und italienischen Truppen geschickt wurde. Sie standen unter der Führung des deutschen Generals Erwin Rommel, der als „Wüstenfuchs“ in die Geschichte eingegangen ist.

Als die Wüstenratten jetzt in der Heide an den 75. Jahrestag ihrer Gründung erinnerten, waren auch Veteranen dabei. Sie haben die Kämpfe in Libyen überlebt und wachen trotz ihres hohen Alters darüber, dass die Soldatenfriedhöfe in Nordafrika nicht in Vergessenheit geraten. Allein im ägyptischen El Alamein, wo der britische General Bernard Montgomery im Herbst 1942 das deutsche Afrikakorps in zwei Panzerschlachten besiegte, sind mindestens 16 000 Kriegstote begraben worden.

An den entscheidenden Kämpfen in Nordafrika waren die Soldaten der 7. Division nicht beteiligt. Anfang 1942 wurden die meisten von ihnen nach Burma und später nach Indien verlegt. Erst als der zweite Weltkrieg zu Ende ging, kam der Befehl: Zurück nach Europa. Aus dem Irak und Ägypten verlegten sich die Panzereinheiten im Mai 1944 nach Italien. Dort kämpften sie an der Seite kanadischer Verbände. Andere Teile der Division erreichten über Frankreich und Belgien schließlich Norddeutschland, wo sie unter anderem an der Befreiung der Kriegsgefangenenlager in der Heide beteiligt waren.

Im Januar 1948 ging die Geschichte der 7. Panzerdivision zu Ende, der Großverband wurde aufgelöst. Übrig blieb die 7. Panzerbrigade, die 1948 in Soltau erstmals deutsche Kasernen bezog. Dort blieb sie während des Kalten Krieges, im April 1993 wurden ihr die heutigen Standorte Bergen-Hohne und Fallingbostel zugewiesen. Von hier aus zogen die Panzersoldaten in den neunziger Jahren in den Mittleren Osten, wo sie 1991 im ersten Golf-Krieg an der Befreiung Kuweits von den irakischen Besatzern beteiligt waren. Später kämpften sie in den Kriegen auf dem Balkan und ein weiteres Mal im Irak.

Seit Beginn des Monats Oktober ist Brigadier Woodham in Kandahar verantwortlich für den britischen Beitrag zur Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Acht Monate bleiben die meisten seiner Soldaten und Soldatinnen dort. Viele von ihnen waren schon mehrfach am Hindukusch stationiert. „Wir wissen, was uns in Afghanistan erwartet“, sagt Woodham und verweist zugleich auf die Fortschritte, die dort bei Polizei und Armee erreicht worden seien. Aber klar ist für ihn auch: „Afghanistan ist weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen.“

Die roten Wüstenratten aus der Heide werden dazu nicht mehr beitragen können. Sie sind die vorletzten britischen Kampftruppen in Afghanistan - und werden deshalb im kommenden Jahr viel mit der Rückverlegung von Waffen und Gerät zu tun haben. Vergleichbare Arbeit wartet ab Mitte 2014 in Bergen und Fallingbostel auf die 7. Brigade. Dann beginnt die Schlussphase ihrer Zeit in Deutschland und zugleich die Eingliederung in andere Verbände wie auch die Auflösung eines kompletten Grenadierbataillons in Fallingbostel. Deshalb wird ein beträchtlicher Teil des Materials aus Afghanistan nicht mehr nach Deutschland, sondern direkt auf die britischen Inseln gebracht. Wenn die Soldaten in Bergen-Hohne darüber reden, klingt in diesen Tagen viel Wehmut mit. „Aber so ist das nun einmal“, sagt ein junger Major, „Endzeitstimmung dort wie hier.“

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