Landgericht Hannover

Wulff spielte mit Orden für Glaeseker

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Foto: "Olaf Glaeseker hatte den Hut auf", sagte ein Ex-Kollege im Prozess über das Engagement des Ex-Sprechers beim "Nord-Süd-Dialog".

Hannover - Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker sollte für die Organisation der Promi-Fete „Nord-Süd-Dialog“ einen Orden erhalten, sagt ein ehemaliger Kollegen als Zeuge im Landgericht Hannover. Zudem sei der damalige Sprecher sei bei seinen umstrittenen Urlauben für Wulff stets erreichbar gewesen.

Allwöchentlich beschäftigt sich die dritte große Strafkammer des Landgerichts Hannover mit einer zentralen Frage: Hat sich der frühere Regierungssprecher Olaf Glaeseker nur deshalb so stark für den „Nord-Süd-Dialog“ engagiert und um Sponsoren geworben, weil er dafür vom Veranstalter Manfred Schmidt mit Gratisurlauben belohnt werden sollte? Oder geschah das vielmehr, weil Christian Wulff den Erfolg dieser Prominentenpartys haben wollte?

Dass Glaesekers Einsatz vor allem auf Wulff zurückzuführen und deshalb keine Korruption sei, haben am Montag drei ehemalige enge Mitarbeiter Glaesekers ausgesagt, seine Stellvertreter Nina Hacker, Roman Haase und Matthias Sickert. Sie beschreiben ihr Verhältnis zum einstigen Chef Glaeseker unterschiedlich – von professionell (Sickert) über angenehm-kollegial (Hacker) bis freundschaftlich-kollegial (Haase). Alle sprechen in ihren Zeugenaussagen über den hohen Erwartungsdruck, dass die Nord-Süd-Dialoge gelingen sollten.

Dies sei von Wulff ausgegangen, denn Niedersachsen habe sich damals im Wettbewerb vor allem mit Bayern und Baden-Württemberg befunden – und man habe zeigen wollen, eine große Party mit viel Prominenz auf die Beine stellen zu können. „Aufholen im Ländervergleich, das war das Ziel“, sagt Hacker. Als „begnadeter Netzwerker“ (Sickert) sei Glaeseker in erster Linie aktiv und auch in erster Linie für den Erfolg verantwortlich gewesen. Dabei sei es „nicht unüblich gewesen, dass auch die Staatskanzlei selbst bei der Sponsorensuche geholfen habe (Haase).

Ein Indiz für Korruption wäre es vielleicht, wenn die Mitarbeiter und Wulff selbst gar nichts von den Urlauben gewusst hätte, die Glaeseker auf den Anwesen von Schmidt verbrachte. Wulff selbst hatte in der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung Unwissenheit erklärt. Der Zeuge Haase widerspricht jetzt: Er hatte erlebt, wie Wulff Glaeseker nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub auf Schmidt angesprochen habe mit den Worten: „Und? Wie geht es Manfred?“ Auch die Zeugin Hacker meint: „Es ist nicht vorstellbar, dass Wulff nichts von den Urlauben wusste.“ Haase berichtet noch, wie sehr sich Wulff über Glaesekers Wirken für die Prominentenpartys freute: „Einmal hat er ihn sogar für ein Verdienstkreuz vorgeschlagen.“ Dies sei, räumte Haase ein, wohl scherzhaft gewesen.

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