Anwalt bestätigt

Die Wulffs geben sich eine zweite Chance

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Foto: Geben sich eine zweite Chance: Christian und Bettina Wulff sollen ihre Scheidung gestoppt haben.

Hannover - Zweieinhalb Jahre nach der Trennung ist die Scheidung von Christian und Bettina Wulff gestoppt worden. Das Ehepaar hat beschlossen, die Ehe weiterzuführen. Dies bestätigte Wulffs Anwalt am Mittwoch.

Das Paar, das eigentlich gar keines mehr sein sollte, ist plötzlich doch wieder eines. Und wie: Bettina und Christian Wulff versuchen es noch einmal als Familie. Das bestätigte am Mittwoch Gernot Lehr, Anwalt des früheren Bundespräsidenten, nachdem ein Magazin die Nachricht am Morgen verbreitet hatte. Man möge die Privatsphäre des Paares respektieren, schob Lehr noch nach.

Vor gut zwei Jahren waren die Wulffs getrennte Wege gegangen. Zuletzt wurde – unwidersprochen von den Wulffs – sogar über einen Scheidungstermin berichtet. Nun ist das alles offenbar vom Tisch. Schon seit einiger Zeit hatten Beobachter Wulff und seine einstige First Lady wieder häufiger gemeinsam gesehen. Mal im Kino („Birdman“), zuletzt Mitte April im Serengeti-Park unweit von Hodenhagen. Hannoversche Freunde freuen sich über die „Wiedervereinigung“ des prominenten Paares – nicht zuletzt auch wegen der Kinder. „Die beiden werden jetzt sicherlich mehr Zeit füreinander finden. Politikerehen stehen oft unter gewaltigem Druck und nicht immer unter einem guten Stern“, sagt Drogerieunternehmer Dirk Rossmann, ein Freund der Wulffs. „Das ist doch wirklich mal eine positive Nachricht nach den schweren Schlägen“, meint CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler, bekennender Freund der Lang-Ehe.

Christian Wulff (55) war als niedersächsischer Ministerpräsident 2006 auf einer Südafrika-Reise, als er Bettina Körner – so hieß sie damals – kennenlernte. Zwei Jahre später, Wulff war inzwischen von seiner ersten Ehefrau Christine geschieden, wurde geheiratet. Christian Wulff hat aus erster Ehe eine Tochter, Bettina Wulff ebenso einen Sohn – gemeinsam bekamen sie einen weiteren Sohn. Die schwungvolle PR-Beraterin mit der Tätowierung auf dem Oberarm verlieh dem seinerzeit noch etwas brav wirkenden Politiker einigen Glamour. Am 30. Juni 2010 zogen sie als Präsident und First Lady ins Berliner Schloss Bellevue ein – aus dem sie am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen wieder ausziehen mussten.

Wulff war – als erster Präsident der Bundesrepublik – unter dem Druck der Affäre um die Finanzierung seines Hauses in Großburgwedel, Geschenke eines Filmproduzenten und den Versuch, in Medienberichterstattung einzugreifen vom Amt zurückgetreten. Die Trennung folgte nicht lange danach. Bettina Wulff veröffentlichte eine für beide Eheleute nicht sehr schmeichelhafte Biografie („Jenseits des Protokolls“). Wulff wurde im spektakulären Verfahren um die Affäre, die mit zu seinem Sturz geführt hatte, freigesprochen – schon am Rande des Verfahrens begrüßten sich die beiden Medienprofis auf einem Gerichtsflur wieder mit Küsschen. Etwa ganz zufällig vor einem Fenster und im Blickfeld wartender Fotografen?

Christian Wulff wohnte zuletzt in einem Haus in Waldhausen, Bettina Wulff nach dem Verkauf des bekannten Großburgwedeler Familienhauses in einem anderen Backsteinhaus, ebenfalls in Großburgwedel. Wo sie künftig leben werden? Ganz und gar Privatsache.

Vom Rücktritt zur Trennung: Der Fall Wulff

Ein günstiger Privatkredit für sein Haus in Niedersachsen war der Anfang einer Affäre, die Ex-Bundespräsident Christian Wulff im Februar 2012 zum Rücktritt zwang. Am Ende stürzte er über kostenlose Urlaube und seine Beziehungen zu reichen Unternehmern. Knapp ein Jahr danach steht Wulff nun auch vor den Trümmern seiner Ehe.

16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Immunität Wulffs aufzuheben. Am Folgetag erklärt der Präsident seinen Rücktritt. Die Ermittlungen beginnen. 2. März: Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamts und ein Staatsanwalt durchsuchen das Wohnhaus der Wulffs in Großburgwedel. 8. März: Wulff wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Viele Prominente bleiben der Zeremonie fern. 22. Juli: Neue Vorwürfe werden bekannt: Wulff soll sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt haben, der Versicherungswirtschaft Vorteile zu verschaffen. 2008 verbrachten die Wulffs ihre Flitterwochen im Haus eines Versicherungsmanagers in Italien. 8. September: Bettina Wulff geht gegen die Verbreitung von Gerüchten und Denunziationen vor. Die „Süddeutsche Zeitung" berichtet, Wulff habe eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder Escort-Dame seien falsch. 10. September: Das ursprünglich erst für November angekündigte Buch der früheren First Lady, „Jenseits des Protokolls", ist bereits in vielen Buchhandlungen erhältlich. Darin setzt sie sich nun auch publizistisch gegen die Gerüchte zur Wehr. 11. September: In mehreren Interviews erhebt Wulff Vorwürfe auch gegen ihren Mann. Sie beklagt unter anderem, an seiner Seite habe sie eigene Bedürfnisse unterdrücken müssen. Um die ganze Situation zu verarbeiten, habe sich das Paar therapeutische Hilfe gesucht. 15. September: Nach heftiger öffentlicher Kritik an ihrem Buch und ihren Interviews sagt Bettina Wulff mehrere geplante Auftritte in Fernseh-Talkshows ab. Das bestätigen die betroffenen Sender. 9. Oktober: Die Flitterwochen der Wulffs im Haus eines Versicherungsmanagers rechtfertigen keine Ermittlungen wegen Vorteilsannahme, teilt die Staatsanwaltschaft Hannover mit. 14. November: Die Staatsanwaltschaft kann nach eigenen Angaben noch nicht absehen, wie lange die Ermittlungen gegen Christian Wulff noch dauern werden.Die Wulffs haben sich „einvernehmlich räumlich" getrennt, wie der Anwalt der Eheleute bestätigt.

(mit: dpa)

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