Orkanbilanz für Niedersachsen

„Xaver“ richtet Millionenschäden an

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Bei Uelzen ist ein Linienbus von einer Sturmböe erfasst worden und auf eisglatter Fahrbahn von der Straße gerutscht.

Bremen - Sturmfluten, abgedeckte Dächer, umgeknickte Bäume: Trotz verletzter Menschen und Millionenschäden fällt die erste Bilanz nach dem Orkan „Xaver“ in Niedersachsen und Bremen glimpflicher aus als befürchtet.

Orkan „Xaver“ hat an der niedersächsischen Nordseeküste eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen hundert Jahre gegen die Küsten getrieben. Die Böen erreichten in Spitzen mehr als 140 Stundenkilometer. Die Polizei berichtete am Freitag von mehreren Verletzten. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, im Oberharz tobte ein Schneesturm. In Bremen und Teilen Niedersachsens wurde der Schulunterricht abgesagt. Der Schiffsverkehr zu den ostfriesischen Inseln blieb zum größten Teil unterbrochen. Hausdächer wurden abgedeckt, Autos zerstört und riesige Sandmengen ins Meer gespült - es entstand Millionenschaden.

Am Emssperrwerk in der Nähe von Emden erreichte die Flut mit 3,74 Metern über dem normalen Hochwasser den zweithöchsten je gemessenen Wert, berichtete der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Vielerorts erreichte die Sturmflut mehr als drei Meter. Insgesamt war die zerstörerische Kraft des Orkans geringer als befürchtet. Deiche und Hochwasserschutzanlagen an der Küste und den Flussufern hielten den Fluten problemlos stand. „Es hat sich bezahlt gemacht, dass das Land Niedersachsen seit 2008 mehr als 400 Millionen Euro in den Küstenschutz investiert hat“, teilte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mit.

Vor allem auf den Inseln Juist, Spiekeroog und Wangerooge habe es aber große Dünenabbrüche gegeben, berichtete Anja Lorenz vom NLWKN. Das Ausmaß der Schäden könne erst in den nächsten Tagen ermittelt werden. „Die Wasserstände sind noch zu hoch, um die Dünenketten kontrollieren zu können.“ Am Bremer Weserstadion, das vor dem Hauptdeich liegt, blieb der Höchststand der Flut in der Nacht knapp unterhalb des schützenden Damms. Das Fußball-Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag ist nicht gefährdet.

In Cuxhaven sicherten Einsatzkräfte einen Damm, der einen niedrig liegenden Campingplatz und eine Ferienhaussiedlung schützt. „Das Wasser ist übergeschwappt, aber der Damm hat gehalten, sagte Angela Schlüsselburg vom Presseteam des Krisenstabs. Der Orkan deckte mehrere Hausdächer in der Stadt ab. Von einem Mehrfamilienhaus wurde das etwa 1000 Quadratmeter große Flachdach abgerissen, Trümmer beschädigten oder zerstörten 40 Autos.

In der Region Hannover wurde ein Mann schwer verletzt, als ein Auto durch eine Windböe in den Gegenverkehr gedrückt wurde. Auf der B 65 bei Barsinghausen erfasste der Sturm einen Kleinbus mit behinderten Schülern und drückte ihn in einen entgegenkommenden Wagen. Ein 68 Jahre alter Mann und sechs Mitfahrer erlitten Verletzungen.

Auf einer Landstraße zwischen den Orten Jarlitz und Stöcken (Landkreis Uelzen) drückte der Sturm am Freitagmorgen einen unbesetzten Linienbus auf eisglatter Straße gegen einen Baum. Der 49 Jahre alte Fahrer kam in ein Krankenhaus. Die Polizei meldete in Bremen und Niedersachsen insgesamt einige hundert Einsätze, sprach überwiegend aber von einem „glimpflichen Ausgang“.

„Xaver“ sorgte im Norden für erhebliche Verkehrsprobleme. Auf den Flughäfen in Hannover und Bremen wurden etliche Flüge gestrichen, der Fernverkehr der Bahn zwischen Hannover, Bremen und Oldenburg wurde am Donnerstagabend unterbrochen. Die Strecke Hamburg-Cuxhaven war zwischen Horneburg und Stade gesperrt. Mancherorts waren Straßen wegen Überschwemmungen oder Sturmschäden unpassierbar. Die Behörden hatten vielerorts Vorsorgemaßnahmen vor dem frühzeitig angekündigten Orkan getroffen. In zahlreichen Städten blieben die Weihnachtsmärkte geschlossen und in vielen Kreisen fiel der Schulunterricht aus.

dpa/frs

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