„Samariter vom Times Square“

New Yorker Polizist wird zum Symbol für Menschlichkeit

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Foto: Weil der Obdachlose keine Schuhe hatte, kaufte ein New Yorker Polizist ihm welche - und beeindruckt damit Menschen weltweit.

New York - Er ist 25 und lebt noch bei den Eltern - und er ist für viele vor Weihnachten zum Symbol für Menschlichkeit geworden. Ein New Yorker Polizist hat einem Obdachlosen Stiefel geschenkt und ist zum Internetstar geworden.

Ein Paar Schuhe erwärmen derzeit ganz Amerika: Ein junger Polizist hat Medienberichten zufolge einem Obdachlosen, der trotz Eiseskälte barfuß am New Yorker Times Square saß, ein paar Stiefel geschenkt - bezahlt aus eigener Tasche. Was der 25-Jährige nicht bemerkte, er wurde dabei fotografiert - und innerhalb von Tagen zum Internetstar und zum Symbol für den guten Samariter.

Der Patrouillengang, der das Leben zweier Menschen veränderte, war schon am 14. November. Wie so oft ging Larry DePrimo über den Broadway Streife, da wo sich Touristen tummeln und billige Souvenirläden mit teuren Boutiquen abwechseln. Unter den Obdachlosen, die sich am Rande des Bürgersteiges zusammenkauerten, sah er einen Mann - barfuß. Der Wetterbericht hatte für diese Nacht 26 Grad Fahrenheit vorhergesagt - minus drei Grad Celsius.

„Ich habe zwei paar Socken und meine Dienststiefel getragen und trotzdem waren meine Füße noch eisig“, sagte DePrimo später den „New York Daily News“. „Ich bin zu ihm gegangen und habe gefragt: „Wo sind Ihre Schuhe?“. Er antwortete: „Alles in Ordnung, Officer. Ich habe noch nie Schuhe gehabt, aber Gott schütze Sie, dass Sie fragen.“

Die Antwort rührte DePrimo, sagt er nach Angaben des Blattes, noch mehr als der Blick auf die Kälteblasen an den Füßen des Mannes. „Es war so kalt, ich musste einfach etwas tun.“ Also ging er in den nächsten Schuhladen, kaufte Socken und für 75 Dollar (58 Euro) ein Paar ordentlicher Stiefel - und zog sie dem Mann gleich noch selbst an. Als er ihn noch auf einen heißen Kaffee einladen wollte, habe der Obdachlose geantwortet: „Danke, Officer, aber Sie haben genug getan. Gott schütze Sie und passen Sie auf sich auf, ich mag die Polizei.“

Was DePrimo nicht wusste, unter den Touristen war auch Jennifer Foster. Sie fotografierte die Szene und schickte das Bild mit einem Text an die Polizei. Sie schrieb unter anderem: „Der Beamte erwartete KEINE Gegenleistung und wusste nicht, dass ich zuschaue. Ich bin selbst 17 Jahre in der Strafverfolgung. Aber ich war in meinem Leben noch nie so beeindruckt.“ Die New Yorker Polizei veröffentlichte das Bild und ihren Text gleich auf ihrer Facebook-Seite.

Auf der ganzen Welt wurde die Geschichte im Internet gelesen. „Der Engel in Uniform“ wird DePrimo genannt oder auch „der gute Samariter vom Times Square“, der in der Weihnachtszeit nicht nur die Füße des Mannes, sondern auch die Herzen von Hunderttausenden Menschen wärmt. „Die Polizei hat nicht umsonst den Wahlspruch „New York’s Finest ““, schrieb einer. Und weil „New Yorks Beste“ sich die Gelegenheit zur Werbung nicht entgehen ließen, bekam DePrimo, der noch bei seinen Eltern lebt, ein paar Manschettenknöpfe aus der Hand von Polizeichef Ray Kelly persönlich.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Die „Los Angeles Times“ erinnert daran, dass DePrimos Tat zwar edelmütig, aber nicht typisch sei. Wie viele Geschichten von Polizeibrutalität würden dieser gegenüberstehen? Und andere schreiben, der Obdachlose, dessen Namen keiner kennt, sei ein Schwindler, der sich immer neben den Schuhladen setze. „Die Barfußsache ist sein Trick“, schreibt einer. „Ich sehe ihn da seit Jahren. Ich sah, wie ihm jemand an einem eisigen Tag ein Paar Schuhe kaufte, die sofort in seinem Einkaufswagen verschwanden.“

Das stört DePrimo nicht. Er trägt die Quittung aus dem Schuhladen in seiner schusssicheren Weste, als Erinnerung an eine besondere Begegnung. Und die Hoffnung auf mehr Menschlichkeit: „Wenn mein Beispiel irgendjemanden dazu angeregt hat, einem anderen in Not zu helfen, dann kann ich heute Nacht richtig gut schlafen.“

dpa

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