Fünf Prozent ohne Abschluss

Zahl der Schulabbrecher fast halbiert

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Die Zahl der Schulabbrecher ist in Niedersachsen gesunken.

Hannover - Erfolg im Kampf gegen Schulversagen: Niedersachsen hat in den zurückliegenden zehn Jahren die Zahl der Schulabbrecher nahezu halbieren können. Im Jahr 2003 verließen noch rund zehn Prozent der Jugendlichen die Schulen des Landes ohne Abschluss; im vergangenen Jahr – dies ist die aktuellste Zahl – lag der Wert nach Angaben des Kultusministeriums bei nur noch 5,4 Prozent.

Im Jahr 2011 waren es noch 5,9 Prozent. Rechnet man die lernschwachen Förderschüler – früher Sonderschüler genannt – heraus, ist die Schulabbrecherquote sogar noch besser: Im vergangenen Jahr lag sie bei 2,4 Prozent, im Jahr 2011 waren es 2,6 Prozent.

„In den letzten Jahren sind verstärkt Fördermaßnahmen auf der Grundlage der eingeführten Dokumentation individueller Lernentwicklung in den Schulen auf den Weg gebracht worden. Auch die verstärkte Berufsorientierung trägt wesentlich dazu bei“, erklärt Kultus-Staatssekretär Peter Bräth im Gespräch mit der HAZ. Die Schulen bemühten sich zudem sehr darum, zu vermitteln, wie wichtig ein Schulabschluss für die berufliche Zukunft ist. „Außerdem trägt das eingeführte Qualitätsmanagement in den Schulen Früchte“, erläutert Bräth.

Niedersachsen liegt bei der Quote der Schulabbrecher auf Bundesebene sogar im oberen Drittel der Länder: Nach einer aktuellen Erhebung des Sozialverbandes Caritas, basierend auf den Daten des Jahres 2011, gab es nur im Saarland, in Bayern, in Baden-Württemberg und in Hessen weniger Schulversager. Besonders schlecht sieht es danach im Osten Deutschlands aus: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben immer noch Abbrecherquoten von fast zwölf Prozent, Berlin rund zehn Prozent und Brandenburg und Sachsen je etwa neun Prozent. Auch auf kommunaler Ebene gibt es bundesweit gewaltige Unterschiede: In der Stadt Speyer (Rheinland-Pfalz) verließen 2011 lediglich 1,3 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss; im Landkreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt) waren es hingegen 16 Prozent.

Auch in Niedersachsen gibt es laut Caritas-Studie deutliche regionale Differenzen. In den Landkreisen Leer, Aurich, Wittmund, Hameln-Pyrmont und Goslar brachen bis zu zehn Prozent der Schüler die Schule ab. In mehreren Landkreisen im Westen und Norden des Landes hingegen gab es Abbrecherquoten von lediglich drei bis fünf Prozent.

Die Autoren der Caritas-Studie vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) weisen allerdings darauf hin, dass die Zahlen allein keine Rückschlüsse zulassen, weshalb sich die Quote in bestimmten Ländern und Kreisen so positiv entwickelt hat. „Sie kann das Ergebnis einer langfristig angelegten, hochwirksamen Schul- und Kommunalpolitik sein – oder es wurden die Anforderungen gesenkt“, heißt es in der Untersuchung. Dass trotz Schulabschluss das Bildungsniveau mangelhaft sein kann, geht laut RWI aus dem „Bildungsbericht 2012“ der Kultusministerkonferenz und des Bundesbildungsministeriums hervor, wonach die Quote der leseschwachen 15-Jährigen 2010 dreimal so hoch war wie die der Abgänger ohne Hauptschulabschluss. „Dies muss die Bildungspolitik nachdenklich stimmen“, meinen die RWI-Experten.

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