Tourismus

Zahl der Touristen in Niedersachsen stagniert

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Das schlechte Wetter erschwerte in vielen Urlaubsregionen, wie hier am Strand von Duhnen in Cuxhaven, den Start in die Saison.

Hannover - Die Urlaubsbranche in Niedersachsen hat schon bessere Jahre gesehen: Die Zahl der Übernachtungen zwischen Küste, Harz und Heide ging 2013 zurück. Sorgenvolle Gesichter gibt es unter anderem im Oldenburger Münsterland und in der Region zwischen Unterelbe und Unterweser.

Das Tourismusgeschäft ist ein Wachstumsgeschäft: In Deutschland sind die Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent gestiegen, weltweit betrug der Anstieg sogar fünf Prozent. Niedersachsen allerdings kann von diesem Trend nicht profitieren: Erstmals seit Jahren musste das Land sogar einen Rückgang von 0,3 Prozent verbuchen. Im Vergleich der Bundesländer kommt Niedersachsen nach Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein nun nur noch auf Rang vier.

Einen Grund dafür sieht der Niedersächsische Sparkassenverband, der die Zahlen am Montag in Hannover vorstellte, in einer zu schwachen Internetpräsenz vieler Regionen. Wenn Gäste in Internetforen über das schlechte Essen klagen oder sich über das zu kleine Zimmer beschweren, dann sollten Restaurant- und Hotelbesitzer darauf reagieren. Und zwar möglichst schnell. „Schweigen wäre falsch“, sagte Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes, bei der Präsentation des diesjährigen Sparkassen-Tourismusbarometers. Bewertungsportale im Internet seien mittlerweile wichtiger als die klassischen Sterne über der Eingangstür. „Man sollte die Kritik positiv aufnehmen, Schwächen eingestehen, aber auch auf andere Stärken verweisen und vor allem Abhilfe schaffen“, sagte Mang.

Nachholebedarf bei der Nutzung digitaler Medien

Bei der Nutzung der digitalen Medien haben Niedersachsens Touristiker durchaus noch Nachholbedarf, hat Manfred Zeiner, Geschäftsführer der dwif-Consulting GmbH, herausgefunden. Seit elf Jahren erstellt sein Team das Tourismusbarometer für den Sparkassenverband. Die diesjährige Erkenntnis: Vielen Anbietern, vor allem den kleineren und mittleren Betrieben, fehlt die Strategie beim Onlineauftritt. „Digitalisierung ist mehr als ein Profil bei Facebook“, sagte Zeiner. Dabei gehe es nicht darum, auf möglichst vielen Kanälen ein bisschen aktiv zu sein; wichtig sei vielmehr ein moderner, glaubwürdiger Auftritt im Netz.

Eine gute Homepage, die laufend aktualisiert werde, sei von zentraler Bedeutung, so Zeiner. Vorreiter in Niedersachsen sei hier etwa der Harzer Tourismusverband, der auf seiner Website Zielgruppen gesondert anspreche. „Da findet beispielsweise der Wanderer gleich die für ihn passenden Angebote.“ Auch die Metaplattform Nordsee, von der aus jeder Urlauber direkt zum gewünschten Ort geleitet werde, sei ein gelungenes Beispiel.

Über das Internet könnten auch neue Interessenten angelockt werden – und so der negative Trend gestoppt werden. Einen Lichtblick gibt es aber schon jetzt: Wenn auch die Gesamtzahl der Übernachtungen gesunken ist, stieg die Zahl der Ankünfte im Land leicht um 0,6 Prozent. Zeiner erklärte dies mit dem Trend zu Kurzreisen, der auch in ländlich geprägten Regionen noch weiter verstärkt werden müsste.

Flutkatastrophe führte zu Einbrüchen

Die Flutkatastrophe im vergangenen Frühsommer hat in vielen Mittelgebirgen die Reisebilanz verhagelt. Während die Nordseeküste leicht zulegt (+0,8 Prozent) mussten viele andere Gebiete Rückgänge verzeichnen: Bei der Unter-elbe/Unterweser sanken die Übernachtungszahlen sogar um 4,4 Prozent, im Oldenburger Münsterland waren es 2,2 Prozent. Auf den Ostfriesischen Inseln und dem Emsland sowie der Grafschaft Bentheim gab es ein Minus von einem Prozent, in der Region Hannover-Hildesheim waren es -0,8 Prozent, im Harz -0,4 und in der Heide -0,3 Prozent. Gewinne verbuchen hingegen die Mittelweser-Region (+2,2), das Braunschweiger Land (+1,3) und das Oldenburger Land (+1).

Auch vom allgemeinen Boom des Städtetourismus konnten Niedersachsens Metropolen Hannover, Braunschweig und Wolfsburg nicht profitieren, es gab im Gegenteil sogar leichte Rückgänge. Während die Übernachtungen in Hotels stagnierten, gehören Gasthöfe und Pensionen schon seit Langem zu den Problemfällen. Auch dem Markt der Ferienwohnungen und Gruppenunterkünften fehlt es laut Zeiners Untersuchung an frischen Ideen. Zu den Gewinnern des Tourismusjahrs 2013 zählen hingegen die Campingplätze, auch mit der Luxusvariante, dem „Glamping“, sowie Reha-Kliniken und Sanatorien: „Der Gesundheitstourismus boomt.“

Enttäuschende Ergebnisse erzielten die Freizeit- und Naturparks, private Eisenbahnen und Zoos, ein Besucherplus gab es allerdings erstmals bei Freilichtmuseen, Besucherbergwerken und Spielscheunen. Stadt- und Besucherführungen sind kaum noch gefragt.

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