Ungewöhnliche Frühjahrs-Plage

Zecken brechen alle Rekorde

+
Nach dem milden Winter gibt es bereits Zeckenalarm.

Berlin - Nach dem ungewöhnlich warmen Winter könnte 2014 ein wahres „Zeckenjahr“ werden. „Seit Mitte Februar messen wir überall eine steigende Zeckenaktivität – vor allem von Holzböcken der Art Ixodes ricinus“, berichtet Olaf Kahl von der Informationsplattform zeckenwetter.de.

Ob sich der Trend bis in den Sommer hinein fortsetzt, sei jedoch noch nicht abzusehen. Bislang waren die Zecken laut Kahl rund einen Monat früher aktiv als üblich. In einigen südlichen Gebieten wie rund um Karlsruhe sei die sonst übliche Winterruhe sogar ganz ausgefallen. „Auch jetzt ist die Zeckenaktivität trotz der niederschlagsfreien Phase immer noch hoch bis sehr hoch“, betont er.

Beunruhigend ist das vor allem, weil die zu den Spinnentieren zählenden Zecken Infektionskrankheiten wie Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose auf den Menschen übertragen können. Bereits jetzt hat das Robert-Koch-Institut für 2014 fünf FSME-Fälle in seiner Statistik vermerkt – die ersten traten schon im Januar auf. 2013 waren es insgesamt 420, 2012 lag die Zahl nach einem kalten Winter mit 195 deutlich niedriger.

Die FSME-Risikogebiete liegen vor allem in südlichen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen. Im Anfangsstadium ähnelt die Viruserkrankung einer Grippe, später kann eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung mit Lähmungen, Sprachstörungen und Wesensveränderungen auftreten. Der einzige Schutz vor FSME ist eine vorbeugende Impfung. Diese sollte mindestens sechs Wochen vor einer Reise in Risikogebiete erfolgen, erläutert Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld.

Noch deutlich höher liegen die Infektionszahlen bei der überall in Deutschland vorkommenden Lyme-Borreliose, die von Bakterien verursacht wird. Nach Angaben des Karlsruher Instituts für Technologie erkranken jährlich rund 100.000 Menschen nach einem Zeckenbiss an Borreliose. Die Krankheit verläuft in drei Phasen und kann im Endstadium chronische Gehirn- und Rückenmarksentzündungen verursachen. Da es keine Impfung gibt, raten Mediziner zu Vorsichtsmaßnahmen.

Tipps zum Schutz vor Zecken

Die Seite www.zeckenwetter.de bietet aktuelle Informationen und Tipps zum Schutz vor der Zeckenplage.

Auf der sicheren Seite ist, wer Mischwälder und ungemähte Wiesen meidet. Ist das nicht möglich, sollten sich Spaziergänger Olaf Kahl zufolge mit heller, langer Kleidung und einem Zecken abwehrenden Repellentspray vor Zeckenbissen schützen. Nach der Rückkehr sollte der Körper auf Zecken untersucht und die Tiere gegebenenfalls entfernt werden. „Dabei zählt: so schnell wie möglich raus damit“, sagt Kahl. Ob das ganz akkurat geschehe, sei dabei zweitrangig. „Eine Studie hat gezeigt, dass die Infektionsgefahr ähnlich ist, wenn man die Zecke sauber entfernt, mit Öl beträufelt oder gar quetscht“, erklärt der Experte. Je länger das Tier in der Haut steckt, desto größer ist aber die Gefahr, dass dabei Borrelia-Bakterien übertragen werden.

Zu schaffen machen die vielen Zeckenbisse nicht nur Spaziergängern, Waldarbeitern und Förstern. Auch die deutschen Soldaten leiden unter dem Ansturm der Spinnentiere. So mussten 2013 in der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch mehr als 200 Frauen und Männer behandelt werden, die vom Gemeinen Holzbock gebissen wurden. Das Übungsgelände in Delitzsch und im Tiglitzer Forst bei Bad Düben ist auch in diesem Jahr hochgradig von Zecken befallen.

„Ich habe den Eindruck, bei uns sind die Holzböcke besonders groß“, sagt Presseoffizier Rainer Krebs. „Sie sind eine Plage.“ Natürlich seien er und seine Kameraden, gegen FSME geimpft. Zusätzlich tragen sie mit dem Chrysanthemenwirkstoff Permethrin imprägnierte Uniformen, die verhindern sollen, dass sich die Zecken auf der Haut festsetzen. Das Mittel sei in einem speziellen Kunststoff eingebettet und „völlig ungefährlich“ für den Menschen, erklärt Michael Faulde vom Zentralen Institut des Sanitätswesens der Bundeswehr. Zusätzlich kommt Insektenspray zum Einsatz. „Wie viele Soldaten hier jedes Jahr gebissen werden, lässt sich unmöglich feststellen“, so Krebs. Ernsthafte Folgeerkrankungen seien bislang in der Delitzscher Kaserne nicht aufgetreten.

Nicola Zellmer und Ditmar Wohlgemuth mit: dpa/afp/epd

Wärme bringt Exoten nach Europa

Schmetterlinge, Mücken und Bienen sind in diesem Jahr wegen der milden Temperaturen zwei bis drei Wochen früher aktiv als üblich. So haben Mitarbeiter des Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde den ersten Zitronenfalter schon Anfang Januar gesichtet. Und bereits jetzt seien erste Bienen- und Mückenstiche zu erwarten.

Das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kopenhagen warnt zudem, dass durch steigende Temperaturen exotische Erreger wie das Chikungunyafieber auf dem Vormarsch sind. „Es gibt eindeutige Warnsignale für die Europäische Region, dass sich durch Vektoren wie Mücken übertragene Krankheiten in den kommenden Jahren verstärkt ausbreiten werden“, erklärt WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab. In Europa bestehe gar die Gefahr eines Ausbruchs von Denguefieber. Damit derartige Krankheiten sich nicht ausbreiten könnten, müssten diese gezielt verhindert und eingedämmt werden.

ze

Kommentare