Nach Angriff auf Spaziergänger

Zirkuselefant soll nach Attacke in Tierpark

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Foto: Nach dem Unglück in Buchen hatte ein Zirkus-Mitarbeiter "Baby" beruhigt und ins Zirkuszelt zurückgebracht.

Hodenhagen - Die Elefantenkuh, die einen Spaziergänger getötet hat, bekommt in einem Tierpark ein neues Zuhause. Der Zirkusdirektor entschied sich allerdings gegen den Serengeti-Park, in dem man bereits die Aufnahme des Tiers verkündet hatte. Der Elefant war am Sonnabend ausgerissen und hatte den Spaziergänger angegriffen.

"Wir können sie in einem Gehege halten", sagte der Geschäftsführer des Parks, Fabrizio Sepe, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Der 34 Jahre alte ausgerissene Zirkuselefant hatte in Buchen im Odenwald am Samstagmorgen den Spaziergänger getötet. Wie der Elefant aus seinem Zelt entkommen konnte, war zunächst unklar.

"Wir wissen um die Umstände", sagte Sepe über das Tier. Hier im Park könne man mit der Elefantenkuh vielleicht sogar Zuchterfolge haben. In jedem Fall werde sie sich bei dem Elefantenbullen im Park schnell beruhigen.

Elefant schon mehrfach ausgerastet

Die Tierschutzorganisation Peta berichtet, das Tier sei schon mehrfach ausgerastet und habe in den vergangenen Jahren mehrere Menschen verletzt. 2000 habe "Baby" eine Frau im nordhessischen Melsungen schwer verletzt, berichtet Peta. 2010 habe ein Familienvater nach einer Attacke in Leutkirch eine Niere verloren, sein Sohn sei ebenfalls verletzt worden. 2012 habe ein 12-jähriger Junge in Burladingen im Zollernalbkreis durch einen Rüsselschlag einen Kieferbruch erlitten.

Die Polizei bestätigte Vorfälle in der Vergangenheit, wollte aber keine Details nennen. "Wir wissen von zwei Vorfällen mit Verletzten, aber jeder stellt sie anders dar", sagte ein Sprecher. Dies werde in die Ermittlungen einfließen. "Es gab aber unseres Wissens nach keine Vorfälle, die einer Behörde Anlass gaben, Auftritte des Elefanten zu verbieten", sagte der Beamte. Der Zirkus wollte sich nach Angaben der Polizei nicht zu der Attacke äußern.

Nicht artgerechte Haltung

Peta hatte den Zirkusbetreibern in der Vergangenheit mehrfach nicht artgerechte Haltung vorgeworfen. Die Organisation will nun Anzeigen wegen fahrlässiger Tötung sowohl gegen die Zirkusverantwortlichen als auch gegen die zuständigen Behörden erstatten. "Die Tiere werden für die Dressur geschlagen und gequält", kritisiert Peta-Wildtierexperte Peter Höffken. "Alle 50 Zirkuselefanten, die es noch in Deutschland gibt, sind tickende Zeitbomben." Peta fordert ein grundsätzliches Tierverbot im Zirkus.

Nach dem Unglück in Buchen hatte ein Zirkus-Mitarbeiter "Baby" beruhigt und ins Zirkuszelt zurückgebracht. Der Vorfall war von einem Anwohner beobachtet und der Polizei gemeldet worden. Ein Veterinär werde das Tier nun untersuchen und sich anschauen, "ob es eingeschläfert wird oder bleiben darf". Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden alle geplanten Vorstellungen des Zirkus in Buchen abgesagt.

dpa

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