Gefährlicher Virus

Zustand von Mers-Patient weiter kritisch

+
Der 65-Jährige wird im Marienhospital in Osnabrück behandelt.

Osnabrück - In Osnabrück kämpfen die Ärzte weiter um das Leben eines Mannes, der sich mit dem gefährlichen Mers-Virus angesteckt hat. Sein Zustand ist unverändert kritisch. Der 65-Jährige war Anfang Februar aus Abu Dhabi zurückgekehrt, wo er sich wahrscheinlich mit dem oft tödlichen verlaufenden Virus infiziert hatte.

Der Gesundheitszustand des Osnabrücker Mers-Patienten ist weiterhin sehr schlecht. „Es ist mutmaßlich davon auszugehen, dass der Mann noch einige Zeit auf der Intensivstation bleiben wird“, sagte der Sprecher des Marienhospitals, Michael Schiffbänker, am Montagmorgen. Aktuell werden rund 100 Menschen aus dem Familien- und Klinikumfeld des Mannes darauf getestet, ob sie sich ebenfalls mit Mers angesteckt haben könnten. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt aber als eher unwahrscheinlich. Der Klinikumssprecher sagte, die Proben der Kontaktpersonen des Mannes würden derzeit in Bonn ausgewertet. Bei 14 von ihnen konnte bereits am Sonntag Entwarnung gegeben werden.

Der 65-Jährige war Anfang Februar von einer Urlaubsreise aus Abu Dhabi zurückgekehrt, wo er sich wahrscheinlich mit dem öft tödlichen verlaufenden Mers-Virus ansteckte. Höchstwahrscheinlich sei das über Kontakt zu Dromedaren passiert, sagte am Wochenende der Vertreter des Gesundheitsdienstes Osnabrück, Peter Tenhaken. Ein Hausarzt hatte den Mann zunächst wegen einer normalen Erkältung behandelt. Als sich sein Zustand verschlechterte, kam er auf die Intensivstation.

Mers: Ein Virus mit vielen Unbekannten

Der Erreger von Mers (Middle East Respiratory Syndrome) gehört zu den Coronaviren, zu denen auch der Sars-Erreger und viele Erkältungsviren zählen. Identifiziert wurde Mers-CoV erstmals 2012. Wahrscheinlich gab es schon zuvor auf das Virus zurückgehende Erkrankungen, die jedoch nicht genauer untersucht worden waren.

Kamele gelten inzwischen als Hauptüberträger der Viren auf den Menschen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach derzeitigem Wissensstand selten, es hat aber bereits größere, auf eine Primärinfektion zurückgehende Ausbrüche in Kliniken gegeben. Im arabischen Raum und Regionen Afrikas tragen viele Kamele Antikörper gegen das Mers-Virus - waren also irgendwann einmal mit ihm infiziert. Experten empfehlen, Kontakt zu den Tieren zu vermeiden und Kamelmilch nur pasteurisiert sowie Kamelfleisch nur durchgegart zu konsumieren.

Das Virus kann beim Menschen eine schwere Infektion der Atemwege, Lungenentzündung und Nierenversagen verursachen. Die Erkrankung kann schwer und auch tödlich verlaufen - in wie viel Prozent der Fälle, ist allerdings unklar, da noch nicht bekannt ist, wie viele infizierte Menschen überhaupt Symptome entwickeln. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und viele Experten beobachten Mers vor allem darum mit Sorge, weil sich das Virus hin zu einer effektiveren Übertragung entwickeln könnte. Veränderungen im Erbgut, die auf eine solche Anpassung an den Menschen als Wirt hindeuten, wurden bisher aber nicht gefunden.

dpa

Kommentare