Missbrauch einer 13-Jährigen

Zweiter Sexualstraftäter im Spiel

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Hier wird Reinhard R. in Zukunft leben: Die zentrale Einrichtung für Sicherungsverwahrte im Gefängnis in Rosdorf bei Göttingen.

Hannover - Der 51 Jahre alte Reinhard R. wird beschuldigt, sich am 30. Mai in der Wohnung des Bekannten an der 13-Jährigen vergangen zu haben. Auch dieser Bekannte soll vorbestraft sein. In die JVA Lingen soll R. nicht zurückkehren.

Der mutmaßliche sexuelle Missbrauch einer 13-Jährigen durch einen Sicherungsverwahrten vor gut zehn Tagen in Lingen hat in der Wohnung eines ebenfalls vorbestraften Sexualstraftäters stattgefunden. Entsprechende Informationen bestätigte am Dienstag ein Sprecher von Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne).„Beide waren gemeinsam in Lingen in der Therapie. Daher kannten sie sich.“

Der 51 Jahre alte Reinhard R. wird beschuldigt, sich am 30. Mai in der Wohnung des Bekannten an der 13-Jährigen vergangen zu haben. Der Wohnungsbesitzer ist wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft, wie erst am Dienstag bekannt wurde. Der 30-Jährige wurde 2010 vor dem Landgericht Aurich zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. R. und der Mann kannten sich aus der Justizvollzugsanstalt in Lingen, wo beide eine Sozialtherapie absolvierten – R. als Sicherungsverwahrter, der Bekannte als Straftäter.

In der Wohnung des 30-Jährigen fand am Abend des 30. Mai eine Party statt, auf der außer zwei weiteren Jugendlichen auch das 13-jährige spätere Missbrauchsopfer anwesend war. Angeblich lebt der 30-Jährige dort mit einer Jugendlichen zusammen, offenbar eine Freundin der 13-Jährigen.

Der unter anderem wegen Totschlags und drei Sexualdelikten vorbestrafte Reinhard R. konnte trotz Sicherungsverwahrung ebenfalls dort sein, weil er sich seit dem 28. Mai auf einem sogenannten Langzeitausgang befand mit dem Ziel, wieder an das Leben in Freiheit herangeführt zu werden. Er durfte bis zum 1. Juni auch nachts seiner Zelle fernbleiben und musste lediglich einmal am Tag in der Justizvollzugsanstalt erscheinen, um einen Alkohol- und Drogentest zu absolvieren. Ansonsten konnte sich R. frei bewegen.

Wie es genau zum dem Missbrauch kam, ist unklar. Bekannt ist lediglich, dass auf der Party Alkohol getrunken wurde, auch das Mädchen soll getrunken haben. Als die 13-Jährige den Missbrauch am Abend des 31. Mai anzeigte, war R. bereits untergetaucht. Er wurde nach gut einer Woche auf der Flucht am vergangenen Sonnabend in Emmerich am Rhein in Nordrhein-Westfalen gefasst.

Wie der Sprecher des Justizministeriums der HAZ sagte, war R.s Betreuern in der Justizvollzugsanstalt in Lingen nichts von den mehrfachen Treffen R.s mit dem anderen Sexualstraftäter bekannt. „Man konnte auch nicht zwingend davon ausgehen, dass sich beide privat verabreden würden.“ Die Treffen seien aber Teil der laufenden Untersuchungen des Falls im Ministerium. Heute berät der Rechtsausschuss des Landtags darüber.

R. sitzt unterdessen nach wie vor in der Justizvollzugsanstalt in Kleve, wohin er nach seiner Festnahme am vergangenen Sonnabend gebracht wurde. Beamte der Staatsanwaltschaft Osnabrück wollten ihn gestern vernehmen. Der 51-Jährige schwieg jedoch zu den Vorwürfen. Nach Lingen wird der 51-Jährige nicht zurückkehren. Er wird demnächst in das Gefängnis nach Rosdorf bei Göttingen verlegt, in die zentrale Unterkunft für Sicherungsverwahrte.

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