Bunter und friedlicher Auftakt

34.000 Menschen protestieren gegen G-7-Gipfel

+
Foto: Bei der ersten Protesten gegen den G-7-Gipfel ist alles friedlich geblieben.

München - Der Protestauftakt gegen den G-7-Gipfel ist friedlich und bunt verlaufen. Etwa 34.000 Menschen zogen am Donnerstag durch die Münchner Innenstadt und demonstrierten gegen den am Sonntag beginnenden Gipfel und das Freihandelsabkommen TTIP.

Die im Vorfeld befürchteten Krawalle blieben aus - statt Wasserwerfer gegen Gewalttäter einsetzen zu müssen, versorgten Polizisten Demonstranten bei großer Hitze mit Wasser. Zu der Demonstration kurz vor Beginn des G-7-Gipfels am Sonntag im oberbayerischen Schloss Elmau hatten verschiedene Nicht-Regierungsorganisationen und Parteien aufgerufen. Die Teilnehmerzahl lagen deutlich über der angemeldeten Zahl von 15.000 Demonstranten.

Die zu den Organisatoren zählende Bürgerbewegung Campact bezifferte die Teilnehmerzahl mit 40.000 und damit noch etwas höher als die Polizei. "Es ist ein ganz buntes Publikum und ein friedlicher Protest", sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Auf Höhe der Münchner Hauptfeuerwache ließ die Polizei, die mit etwa 3000 Einsatzkräften vor Ort war, einen Hydranten öffnen und versorgte Demonstranten bei der großen Hitze mit Wasser. Etwa von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geäußerte Befürchtungen, es könnte in München zu Ausschreitungen kommen, bewahrheiteten sich nicht. "Wir haben keinen schwarzen Block im Demonstrationszug", sagte Wenger.

Aus dem schwarzen Block oft vermummter Demonstranten war es in der Vergangenheit bei Großdemonstrationen wiederholt zu Gewalt gekommen. Auf einer Kundgebung vor der Demonstration sprachen Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und der stellvertretende Linken-Fraktionschef Klaus Ernst. Beide riefen die Demonstranten auf, sich gegen die geplanten Freihandelsabkommen der EU mit den USA und Kanada, TTIP und CETA, einzusetzen. "Wir müssen so viel Druck wie irgendwie möglich machen", sagte Hofreiter. Ernst sagte, "kein Mensch auf dieser Welt" brauche die Freihandelsabkommen. "Das brauchen nur die großen Konzerne."

Engagement gegen Armut gefordert

Auch Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) beteiligte sich an der Demonstration. Die Proteste konzentrierten sich auf den G-7-Gipfel und TTIP. Ein Demonstrant schob eine Mülltonne über die kilometerlange Demonstrationsstrecke mit der Aufschrift "Wir brauchen eure Freihandelsabkommen nicht. Schmeißt sie in den Müll." Auf Plakaten stand, "Wer TTIP sät, wird Gentechnik ernten", viele Demonstranten trugen Fähnchen mit dem Schriftzug "Yes we can stop TTIP". Einige Teilnehmer forderten auch einen verbesserten Klimaschutz und mehr Engagement gegen Armut.

Im Vorfeld der Demonstration hatten mehrere hundert Teilnehmer zwei Tage lang in München auf einem Gipfel der Alternativen über diese Themen diskutiert. In dem von den Behörden zunächst verbotenen und schließlich per Gerichtsurteil genehmigten Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen kamen nach Angaben des Bündnisses "Stop G7 Elmau" inzwischen 200 Aktivisten an. Am Garmischer Bahnhof startete zudem eine Dauerkundgebung, die bis zum Gipfelende am kommenden Montag laufen soll. Die G-7-Gegner warfen der Polizei vor, auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen an zumindest einer Stelle anlasslos alle Pkw-Kennzeichen zu filmen. Dies diene dazu, mögliche Demonstrationsteilnehmer einzuschüchtern und sie von der Teilnahme an den Protesten abzuhalten, erklärte Bündnis-Sprecher Benjamin Ruß.

afp

7769127

Kommentare